Informationen für Patienten

Bedeutung der Krebserkrankungen

In der Schweiz sind die Krebserkrankungen mit ca. 16.000 Todesfällen pro Jahr die zweithäufigste Todesursache, nach den Herz-Kreislauf-Erkrankungen und noch deutlich vor Erkrankungen der Atemwege, des Verdauungssystems oder Unfällen. Durch den gezielten Einsatz geeigneter Früherkennungsmassnahmen können bei einem Teil der Erkrankungen bereits frühe Tumorstadien erfasst und umso effektiver behandelt werden. Dabei ist die Strahlentherapie neben dem operativen Vorgehen und der Chemotherapie eine wichtige Behandlungsform von Krebserkrankungen. Weiterführende Informationen sind auch auf der Internetseite der Krebsliga Schweiz unter www.krebsliga.ch zu finden.

Bedeutung der Strahlentherapie

In etwa 55 % der Krebspatienten ist die Strahlentherapie an der Heilung der Betroffenen beteiligt. Sie kann alleine oder in Kombination mit Operation, Chemo- bzw. Hormontherapie durchgeführt werden. Die Strahlentherapie wirkt deswegen so gut, weil die Strahlen gezielt in die Tumorregion vordringen. Besonders strahlenempfindliche Strukturen der Krebszelle sind dabei der Zellkern mit der Steuerungszentrale (DNA) und die Kraftwerke der Zelle (Mitochondrien). Viele der Tumorzellen können die durch Strahlen verursachten Veränderungen nicht reparieren. Wenn die einzelnen Zellen ausgeschaltet sind, ist ein weiteres Leben des Tumors ausgeschlossen. Dies gelingt in einer Vielzahl der Fälle, in denen eine Strahlentherapie eingesetzt wird.

Interdisziplinäre Festlegung der Therapie

Erforderlich für einen effektiven und zugleich schonenden Einsatz ist eine vorherige Klärung der Tumorausdehnung mittels Computertomografie, Kernspintomografie, PET bzw. anderen diagnostischen sowie ggf. operativen Verfahren. Diese Informationen werden häufig noch vor der Einleitung einer gezielten Krebstherapie zwischen den verschiedenen Fachärzten im Rahmen von Tumorkonferenzen diskutiert. Dabei wird das individuell beste Therapiekonzept für jeden einzelnen Patienten festgelegt und dem Betroffenen und auf Wunsch auch seinen Angehörigen oder Vertrauten in einem ausführlichen Informationsgespräch angeboten. Es werden die Vor- und Nachteile der jeweiligen, möglicherweise auch alternativen Therapien ausführlich dargelegt. Für Rückfragen besteht jederzeit eine Möglichkeit, auch noch nach begonnener Behandlung. Weiterführende Informationen sind auch auf der Internetseite des Universitätsspitals Basel / Behandlungszentren zu finden.

Tumorkonferenz

Besprechung und Festlegung des individuell besten Therapiekonzeptes unter den Fachärzten der Behandlungszentren medizinische Onkologie, chirurgische onkologische Fächer und Radioonkologie.

Ablauf der Strahlentherapie

Der Kontakt mit den Mitarbeitern der Strahlentherapie beginnt in der Regel mit einem ausführlichen Informations- und Beratungsgespräch in der Poliklinik oder bei einem beratenden Gespräch auf Station. Wenige Tage später beginnt die Planung der Behandlung. Um eine gute Verträglichkeit der Therapie zu sichern, erfolgt eine äusserst sorgfältige Therapieplanung und –durchführung. Ausserdem wird die Strahlendosis meist auf kleine Portionen verteilt. Hierdurch wird eine unnötig hohe Belastung des gesunden Gewebes vermieden. Zuerst erfolgt eine Lagerung des Patienten in einer Computertomografie. Hierbei werden eigens für die Strahlenbehandlung erzeugte Lagerungshilfen eingesetzt (Kopfschalen, Maskensysteme, Körperschalen usw.).

Lagerung des Patienten im CT

Der erste Planungstermin dauert ca. 30 Minuten, einschliesslich einer ersten Computertomografie. Diese wird in der Regel ohne Kontrastmittel vorgenommen, sodass die betroffenen Patienten keine zusätzliche Belastung haben. Die Aufnahmen der Computertomografie werden in einen speziellen Planungsrechner eingespielt und dort wieder zu einem 3-dimensionalen Abbild des Patienten zusammengefügt. Auf der Basis dieser Bilder werden in den nächsten Tagen verschiedene Behandlungspläne berechnet. Abschliessend wird der individuell beste Plan ausgewählt. Wenn nötig erfolgt eine nochmalige Überprüfung am Patienten, ob die Berechnungen exakt stimmen.

CT-Schnittbild mit eingezeichnetem, zu bestrahlendem Tumor

Erst nach Abschluss dieser gründlichen und präzisen Planung erfolgt die erste Behandlung. Hierbei werden noch einmal Kontrollaufnahmen vorgenommen. Diese sichern eine zuverlässige, präzise und effektive Therapie. Anschliessend erfolgt die zwei- bis achtwöchige, in der Regel werktägliche Behandlung. Dabei wird die Anzahl der Bestrahlungen ganz wesentlich von der Art, Ausdehnung und Lage des Tumors bestimmt. Wir wissen aus jahrzehntelangen Erfahrungen, welches die geeignete Strahlendosis für den einzelnen Tumor ist. Um die Therapie nicht zu belastend zu gestalten, erfolgen samstags und sonntags Therapiepausen – auch dies hat sich in zahlreichen Untersuchungen als sinnvoll herausgestellt.

CT-Schnittbild mit eingezeichnetem Tumor und vom Planungssystem berechneten Strahlendosen

Die modernen Techniken der Strahlentherapie (3-dimensional-geplante Strahlentherapie, intensitätsmodulierte Strahlentherapie, stereotaktische Strahlentherapie und Radiochirurgie, bildgeführte Strahlentherapie) erlauben eine hohe Präzision der Strahlenbehandlung. In der Regel wird die Behandlung mit Hilfe hochenergetischer Röntgenstrahlen eines Linearbeschleunigers durchgeführt. Durch die geeignete Wahl der Energie der Strahlen ist eine beliebige Dosisverteilung auch in tiefen Regionen des Körpers möglich. Hierdurch haben sich das Spektrum und der Schweregrad der Nebenwirkungen verschoben. Die Häufigkeit schwerwiegender, belastender Nebenwirkungen ist in den letzten Jahren immer weiter zurückgegangen. Solche Probleme sind heutzutage eine Rarität.

Typische Nebenwirkungen der Strahlentherapie

Wir unterscheiden frühe, akute Nebenwirkungen und späte, Wochen bis Jahre nach Abschluss der Strahlentherapie auftretende Veränderungen. Über das individuelle Risiko, solche Nebenwirkungen zu entwickeln, wird der Patient ausführlich informiert. Es gilt jedoch prinzipiell, dass die meisten der akut auftretenden, unerwünschten Wirkungen der Strahlentherapie rasch wieder abklingen und schwerwiegende, chronisch verbleibende Nebenwirkungen heutzutage eine Seltenheit sind.

Allgemeinsymptome :

Leichte Müdigkeit, geringe Appetitlosigkeit und etwas eingeschränkte Leistungsfähigkeit.

Nebenwirkungen bei Bestrahlungen im Kopfbereich:

Haarausfall; selten Kopfschmerzen oder -druck, Konzentrationsprobleme.

Nebenwirkungen bei Bestrahlungen der Halsregion:

Reizungen der Schleimhäute von Mundhöhle, Rachen und Kehlkopf mit Schluckbeschwerden und Heiserkeit; Mundtrockenheit; selten Geschmacksveränderungen bis hin zum Geschmacksverlust; vorübergehende Hautrötungen und Trockenheit der Haut; Haarausfall im Bereich der Barthaare; verstärkte Neigung zu Karies und Paradontose.

Nebenwirkungen bei Bestrahlungen im Bereich des Brustkorbes:

Hautrötungen und Juckreiz; zeitweilige Anschwellung der Brust; vorübergehende Schluckbeschwerden, Sodbrennen und leichter Hustenreiz.

Nebenwirkungen bei Bestrahlungen im Bereich des Bauch- und Beckenraumes:

Übelkeit, Unwohlsein und Erbrechen; Veränderungen des Stuhlganges bis hin zu Durchfällen; milde Bauchkrämpfe; häufiges Wasserlassen und Brennen beim Wasserlassen.

Die genannten Nebenwirkungen sind meist vorübergehend und klingen in der Regel spontan ohne weitere Therapie innerhalb weniger Wochen vollständig ab. Sollten stärkere Nebenwirkungen auftreten, erfolgt eine individuell abgestimmte unterstützende Behandlung (spezielle Hautpflege; Medikamente gegen Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall; Schmerzmittel; zusätzliche Ernährung wie beispielsweise Astronautenkost).

Patienteninformation zu begleitenden Massnahmen während der Bestrahlung

Empfehlungen zu Lebensgewohnheiten während der Strahlentherapie

Während einer Strahlentherapie sollten Sie ihren üblichen Lebensgewohnheiten unverändert nachgehen. Körperliche Aktivität ist durchaus erlaubt, ja sogar erwünscht. Sie dürfen sich mit klarem Wasser und milden medizinischen Seifen oder Shampoos waschen. Achten Sie bitte aber darauf, dass die Markierungen auf der Haut nicht abgewaschen werden. Saunagänge, Wannenbäder oder Schwimmen sind während der laufenden Strahlentherapie leider nicht erlaubt, können aber in der Regel schon wenige Tage nach Abschluss der Strahlenbehandlung wieder aufgenommen werden.

Ernähren Sie sich bitte ausgeglichen. Hierbei sollten Sie eine vielseitige Nahrung mit mehreren kleinen Mahlzeiten am Tag einnehmen. Fettreiche und stark gesüsste Lebensmittel sollten Sie möglichst reduzieren. Essen Sie reichlich Gemüse, Kartoffeln und wenig säurehaltiges Obst. Sinnvoll und meist gut verträglich sind z. B. Bananen, Birnen, Melonen. Schmackhafte und schonend zubereitete Mahlzeiten sind empfehlenswert. Kohlensäurehaltige oder sehr saure Getränke sollten Sie bei Bestrahlungen der Kopf-, Hals- oder Brustregion vermeiden. Der Zusatz von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen (z. B. Selen, Eisen, Jod, Zink) ist erlaubt, bei ausgeglichener Ernährung aber nicht erforderlich und unsererseits nicht empfohlen.

Sollten Nebenwirkungen der Strahlentherapie auftreten, so teilen Sie diese bitte unverzüglich Ihrem betreuenden Team mit. Sie werden hinsichtlich der unterstützenden, teils auch medikamentösen Therapie beraten. Diese wird entsprechend von uns verordnet und gemeinsam mit einer Ernährungsberatung vorgenommen.