Grundlagen und klinische Bedeutung der Radioonkologie

Historie der Radioonkologie

Wurden Röntgenstrahlen nach ihrer Entdeckung im Jahre 1895 anfänglich zur Behandlung von gutartigen, vor allem dermatologischen und infektiösen Erkrankungen eingesetzt, so erfolgte die erste Therapie zur Linderung von tumorbedingten Schmerzen bereits im Jahre 1898. 1905 wurde eine erste intraoperative Strahlenbehandlung wegen eines Magenkarzinoms durchgeführt. Die Erfolge einer Strahlenbehandlung beim Brustkrebs wurden von Kienböck 1907 erstmals publiziert, so dass bereits ab 1918 über die Möglichkeiten einer brusterhaltenden Therapie mittels Operation und Strahlenbehandlung diskutiert wurde. Die lokale Therapie eines bösartigen Prostatatumors und die lokale Bestrahlung eines Muttermundkarzinoms wurden um 1915 erfolgreich mit Radium vorgenommen. Die erste Mehrfeldertechnik, Vorläufer der heutigen Bestrahlungstechniken mit Linearbeschleunigern, wurde ab 1920 in die Radioonkologie eingeführt, damals noch mit herkömmlichen Röntgenstrahlen. Aufgrund der guten Ergebnisse des Gebärmutterkrebses – teilweise auch in Kombination mit einer lokalen Radiumtherapie – wurde die Strahlentherapie zu einer Standardtherapie dieses Tumors, entweder in Kombination mit einer Operation oder als alleinige Strahlentherapie inoperabler Karzinome.

In den zwanziger und dreißiger Jahren des letzten Jahrhunderts wurde die Indikation zur Strahlentherapie auf die postoperative Behandlung des Seminoms und der Kopf-Hals-Tumore sowie die palliative Therapie von Knochenmetastasen ausgedehnt.

Seit 1928 wurden durch die Entwicklung von Kreisbeschleunigern und Telekobalt-Gammabestrahlungsanlagen die bis dahin gebräuchlichen konventionellen Röntgentherapiegeräte abgelöst. Hierdurch konnten höhere Gesamtdosen bei besserer Verträglichkeit der Therapie eingesetzt werden. Es wurden Bestrahlungen von großen Zielvolumina und die Strahlenbehandlung vieler Tumorarten im Rahmen multimodaler Therapiekonzepte möglich, z.B. die Behandlung von Lymphomen und die Therapie des gesamten Liqourraumes beim Medulloblastom. Die computergestützte zwei- und später dreidimensionale Bestrahlungsplanung auf der Basis der Computertomografie erlaubt seit der Mitte der siebziger Jahre eine zunehmend individualisierte Therapieplanung mit besserer Schonung von Normalgeweben. Mit der Einführung der stereotaktischen Strahlenbehandlung seit 1951, anfänglich als einzeitige Radiochirurgie mit einem Telekobaltgerät mit 201 auf einen Punkt ausgerichteten Kobaltquellen (Gamma-Knife) bei Hirnmetastasen, später auch mit dem Linearbeschleuniger als einzeitige oder fraktionierte Therapie bei verschiedensten bös- und gutartigen Hirntumoren, und spätestens seit der Verbreitung der intensitätsmodulierten Radiotherapie und inversen Therapieplanung ist eine weitere Intensivierung der Strahlentherapie möglich, ohne dass es zu einer Zunahme der akuten und chronischen Nebenwirkungen kommt. Die weiteren Veränderungen in der Radioonkologie ergaben sich vor allem durch die Integration modernster bildgebender Verfahren (Kernspintomographie mit MR-Spektroskopie, Positronenemissionstomographie, Single-Photon-Emissionstomografie), die neben der Ausdehnung der Tumorerkrankung auch sein Wachstumsverhalten und seinen Stoffwechsel charakterisieren helfen. Hierdurch ist eine zunehmende individuelle Anpassung der onkologischen Therapie an das biologische Verhalten den Tumors möglich.

Radioonkologie in der Schweiz

Die Radioonkologie ist seit 1991 ein eigenständiges medizinisches Fach in der Schweiz mit einer eigenen Facharztausbildung. Der Fachbereich Radioonkologie hat die Aufgabe, bei Krebs­patienten die Zweckmässigkeit einer Strahlenbehandlung individuell zu prüfen, solche Behandlungen individuell durchzuführen, die Patienten wäh­rend der in der Regel mehrwöchigen Behandlung in allen mit der Krankheit verbun­denen Belangen verantwortlich zu betreuen, die erforderlichen Kontrollen bei den bestrahlten Patienten durchzuführen bzw. zu koordinieren sowie die Be­handlungskonzepte aufgrund fortlaufender Analysen der Behandlungsergeb­nisse und neuer wissenschaft­licher Erkenntnisse weiter zu entwickeln und zu optimieren. Dazu gehört auch, die Vorausset­zungen in personeller und apparativer Hinsicht zu schaffen, um mit allen erforderlichen medizinischen Massnahmen den Betroffenen und ihren Angehörigen physisch und psychisch helfen zu können.

Da fast jeder dritte Mensch früher oder später an Krebs erkrankt ist es wichtig, eine effektive und gut verträgliche Strahlentherapie in der Region Basel anbieten zu können. Die Kranken - vom Säugling bis zum Hochbetagten – haben Anspruch auf eine besonders intensive Zuwendung und auf eine möglichst schonende aber doch möglichst wirk­same Behandlung, die die moderne Radioonkologie am Universitätsspital Basel in vollem Umfang bieten kann.