11. November 2014

Bauchtumoren auf der Spur

Im Bauchtumorzentrum werden Patienten mit Tumorerkrankungen verschiedener Bauchorgane interdisziplinär behandelt. Dazu gehören Krebserkrankungen der Speiseröhre, des Magens und des Darmtraktes sowie solche in der Leber, der Bauchspeicheldrüse und der Milz.

 
Prof. Daniel Oertli, Chefarzt Allgemeine Chirurgie

Beschwerden und Symptome von Bauchtumoren sind vielfältig, zum Beispiel unregelmässiger Stuhlgang, Blutbeimengungen im Stuhl, Appet itlosigkeit , Gewichtsabnahme, Bauchschmerzen oder Gelbsucht. Viele Fälle sind jedoch asymptomatisch und werden in der Regel bei Blutentnahmen (Feststellung einer Blutarmut) diagnostiziert oder anlässlich von Screening-Untersuchungen, zum Beispiel Lebertumoren auf dem Boden chronischer Entzündungen oder während Tumor-Nachsorgeuntersuchungen.

Blut im Stuhl bringt Hinweis auf Erkrankung

Um die enge interdisziplinäre Zusammenarbeit im Bauchtumorzentrum aufzuzeigen, dient beispielhaft die nachfolgende Krankengeschichte: Es geht um einen 62-jährigen Patienten, der über einen Zeitraum von circa acht Monaten bei und nach der Darmentleerung Blutbeimengungen bemerkt, ausserdem berichtet er über Unterbauchkrämpfe während des Stuhlganges mit zunehmend kleinen Stuhlportionen, die abgesetzt werden können. Nachdem er diese Beschwerden seinem Hausarzt geschildert hat, wurde er den Magen-Darmspezialisten (Gastroenterologen) am Universitätsspital Basel zugewiesen. Bei der Darmspiegelung (Endoskopie) entdecken die Gastroenterologen ein Geschwür im Mastdarm, entnommene Gewebeproben (Biopsien) zeigen unter dem Mikroskop Krebszellen. Die weiteren Abklärungen werden mit endoanalem Ultraschall – bei dem eine fingerdicke Sonde über den After eingeführt wird – und mit einer Kernspintomografie vorgenommen: Dabei werden ein Tumorwachstum durch die Muskelwand des Mastdarmes sowie einige vergrösserte Lymphknoten in Tumornähe festgestellt.

Chemotherapie und chirurgischer Eingriff führen zum Erfolg

Der Fall wird darauf an einer interdisziplinären Tumorkonferenz besprochen, an der alle im Bauchtumorzentrum vertretenen Fachspezialisten dabei sind. Aufgrund des fortgeschrittenen Stadiums der Erkrankung – aktuell ohne Anhaltspunkte für eine Fernmetastasierung – wird ein kuratives Behandlungskonzept mit einer kombinierten Vorbehandlung durch Röntgenstrahlen und Chemotherapie (sogenannte Radiochemotherapie) vorgeschlagen, gefolgt von einer chirurgischen Entfernung des Mastdarmtumors inklusive der möglicherweise befallenen Lymphknoten. Der Patient erhält dann während vier Wochen eine ambulante Radiochemotherapie. Nach Abschluss dieser Vorbehandlung erfolgt eine neuerliche Kernspintomografie, die eine leichte Schrumpfung des Tumors feststellt. Zwei Monate nach Abschluss der Radiotherapie wird der chirur gische Eingri¤ mithilfe der sogenannten laparoskopischen Operationsmethode durchgeführt. Dabei wird der Mastdarm samt des umgebenden Fettgewebes und der dort eingebetteten, möglicherweise befallenen Lymphknoten in einem Stück entfernt. Danach erfolgt eine Wiederverbindung des Darmes mit dem Analkanal (tiefe Anastomose). Damit diese Klammernaht im bestrahlten Gewebe optimal abheilen kann, ist die vorübergehende Ableitung des Darminhaltes nach aussen (künstlicher Darmausgang) unumgänglich. Der Patient erholt sich von diesem Eingriff gut und kann zwölf Tage nach der Operation das Spital wieder verlassen.

Lebensqualität zurückerlangt

Eine neuerliche Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel nach sechs Wochen zeigt, dass die Neuverbindung/ Anastomose einwandfrei abgeheilt ist. Somit erfolgt durch die Viszeralchirurgen die Rückverlegung respektive der Verschluss des künstlichen Darmausgangs. Eine Woche nach diesem Eingriff wird der Patient bereits wieder nach Hause entlassen. Am entnommenen Mastdarmgewebe findet der untersuchende Pathologe nebst dem Krebs in acht von 25 Lymphknoten Metastasen. Aufgrund dieses Befundes wird der Fall an einer zweiten Tumorkonferenz besprochen und es erfolgt die Empfehlung, dass der Patient nach Abschluss der laufenden chirurgischen Behandlung während sechs Monaten eine ambulant durchgeführte Chemotherapie erhält. Diese Behandlung hat der Patient gut vertragen und er ist bis jetzt, drei Jahre nach Entfernung seines Mastdarmkrebses, tumorfrei und erfreut sich einer guten Lebensqualität.