23. Mai 2017

Das Lebensende vorauszudenken und zu planen ist sinnstiftend und erhöht die Lebensqualität

Prof. Steffen Eychmüller, Inselspital Bern, Universitäres Zentrum für Palliative Care

 

Wir leben in einer konsumorientierten Gesellschaft, die auf jung, dynamisch, sportlich ausgerichtet ist. Was verletzlich, abhängig, mühsam ist, schieben wir weg, solange es geht, es hat wenig oder keinen Wert. Das betrifft auch die finanzielle Vergütung von Leistungen am Lebensende. Es ist eine grundlegende gesellschaftliche Frage, ob dieses Autonomieprinzip, fehlinterpretiert im Sinn der totalen Unabhängigkeit, am Lebensende nicht zu kurz greift. Das Autonomiestreben verschärft unsere Wahrnehmung des Sterbens als Pathologie, als sinnlose Zeit des Leidens. Wenn wir uns eingestehen würden, dass wir permanent Teil eines Ganzen, verletzlich und letztlich immer voneinander abhängig sind, fühlten wir uns am Lebensende weniger schlecht. Die Lebensendphase spielt sich oft in teuren Schleifen ab. Entlassung aus dem Spital, nächste Krise und Notfallkonsultation - was auch für die Patienten ein grosser Druck ist, zur Last zu fallen. Erhebungen aus USA und Australien zeigen, dass eine gute Vorausplanung und der Aufbau von Netzwerken nicht nur die Kosten reduzieren kann, sondern zu einer besseren Betreuung und höheren Lebensqualität führt.

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