16. Juni 2015

Das transparente Gehirn – alte und neue Formen des «Gedankenlesens»

Prof. Dr. med. Dipl. Psych. Frank Erbguth, LA der Klinik für Neurologie, Klinikum Nürnberg (D)

 

Menschen sind mit der Fähigkeit zur mimischen und verhaltensmässigen “Mustererkennung” bei ihrem Gegenüber ausgestattet, mit der sie dessen Absichten einschätzen können. Dies ist eine Grundlage sozialer Interaktionsfähigkeit. Für einen detaillierteren und nicht-manipulierbaren Zugang zu den Gedanken Anderer dienten in den 50er Jahren «Lügendetektoren», mit denen neurophysiologische Schwankungen als Zeichen der gesagten Unwahrheit identifiziert werden sollten. Heute übernehmen solche Aufgaben bildgebende Verfahren wie funktionelles Kernspin (fMRI) oder Positronen-Emissionstomographien (PET): erste Gerichtsurteile z.B. in Indien basieren auf Untersuchungen mit solchen Methoden. Es bestehen jedoch begründete methodische und konzeptionelle Zweifel an der Aussagekraft der «bunten Bilder» vom Gehirn. Neben der gefühlten Bedrohung der «freien Gedanken» bieten moderne Realisierungen und Visionen des “Brain Reading” jedoch auch attraktive Möglichkeiten zur direkten Steuerung von «Prothesen» wie Sprachprozessoren (z.B. bei Stephen Hawking) oder künstlichen Gliedmassen. Der Vortrag beleuchtet kritisch die Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren des «Gedankenlesens».

Frank Erbguth: Das transparente Gehirn – alte und neue Formen des «Gedankenlesens»