25. Februar 2021

«Das Wechselspiel zwischen Job und Familie ist sehr bereichernd.»

Britta Lünenborg ist Stationsleiterin auf der Inneren Medizin und Mutter einer kleinen Tochter – sie lebt vor, dass Karriere am Unispital auch in Teilzeit möglich ist.

 

Seit 2016 arbeitet die dipl. Pflegefachfrau FH Britta Lünenborg als Stationsleiterin – als ihre Tochter vor zweieinhalb Jahren zur Welt kam, reduzierte sie ihr Pensum auf 80 Prozent. Damit ist sie eine Vorreiterin: Die meisten Stationsleitungen am Universitätsspital Basel sind mit 90 oder sogar 100 Stellenprozent besetzt. Dass das Unispital aber durchaus bereit ist, Führungsrollen auch als (grösseres) Teilzeitpensum zu vergeben, merkte Britta Lünenborg, als sie direkt danach fragte: «Ich war schwanger und erkundigte mich bei meinen Vorgesetzten, ob ich auch mit 80% weiterarbeiten konnte nach meinem Mutterschaftsurlaub. Das war überhaupt kein Problem – ich bekam sofort ein OK. Weniger Stellenprozente habe ich nicht angefragt, denn für mich war es wichtig, als Leitung Präsenz zu zeigen und vier Tage die Woche da zu sein.»

Organisation ist das halbe (Mutter)leben

Als Stationsleiterin ist Britta Lünenborg übergeordnet für alle Belange der Station zuständig. Dazu gehören Qualitätssicherung, Ressourcenplanung, die Lerninsel (Ausbildung), Sicherstellung der Pflege sowie Sicherheit der Patientinnen und Patienten, das ganze Management darum herum sowie die Personalführung inklusive Dienstplan. «Es läuft wirklich gut. Natürlich ist es ein grosser Vorteil, dass ich geregelt und zu Bürozeiten arbeiten kann. Ich bin von Montag bis Donnerstag da – das macht die Planung für mich natürlich viel einfacher. Ich war gewöhnt, in drei Schichten und unregelmässig zu arbeiten – jetzt habe ich freitags und am Wochenende frei, so dass sich alles perfekt mit der Kita und meinem Partner organisieren lässt.» Britta Lünenborg beginnt morgens oft schon um 7 Uhr mit der Arbeit, an Tagen, an denen sie ihre zweieinhalbjährige Tochter in die Krippe bringt, eine halbe Stunde später. «Da lässt mir die Leitung freie Hand. Gleichzeitig ist es mir wichtig, Präsenz zu zeigen – das kommt bei meinem Team sehr gut an.»

Kita SpatzenNest: Sehr beliebt und gut gebucht

 Bei der Wahl der Kita für ihre Tochter erlebte Britta Lünenborg anfangs einen Dämpfer: «Ich hätte meine Tochter gerne im SpatzenNest vom Unispital betreuen lassen. Doch leider war dort alles schon voll… Frau Wenger, unsere Fachverantwortliche Kinderbetreuung, hat mich aber sehr unterstützt bei der Suche nach einem geeigneten anderen Platz. Ich hatte nie das Gefühl, alleine gelassen zu werden und empfand das Unispital da als sehr aktiv. Frau Wenger hat mir Vorschläge für andere Krippen geschickt, mich immer wieder angerufen und sich nach dem aktuellen Stand erkundigt.» Und es klappte mit einem anderen Platz: Zwar öffnet die aktuelle Kita erst um 7 und nicht bereits um 6.15 Uhr wie das SpatzenNest, aber Britta Lünenborg beginnt jetzt an Krippentagen erst ein bisschen später als ihr Team, was für alle so in Ordnung ist.

Kleine Hürden im Alltag

 «Zu Beginn bekam ich oft Terminanfragen für Freitage, an denen ich nicht teilnehmen konnte», lacht sie. «Ich hatte aber in den zwei Jahren, seit ich Teilzeit arbeite, nie das Gefühl, dass das negativ aufgenommen worden wäre. Zweimal handelte es sich um wirklich wichtige, nicht verschiebbare Termine, und da hab ich mich natürlich so organisiert, dass ich dabei sein konnte. Auch während der ersten Pandemie-Welle habe ich mich mit meinem Freund so geplant, dass ich auch an Sonntagen Präsenz zeigen und mit anpacken konnte. Ich möchte auch signalisieren, dass ich da bin, wenn es mal brennt. Das wird von meinem Team sehr geschätzt.» Mehr «Hürden im Alltag» fallen ihr aber nicht ein – sie fühlt sich vom USB in ihrer Teilzeit-Führungsrolle umfassend unterstützt. «Auch wenn meine Tochter mal krank war, habe ich von meiner Vorgesetzten immer das Signal bekommen, dass es in Ordnung sei, dass ich bei ihr bleibe. Natürlich spreche ich mich zuerst immer mit meinem Freund ab, wer zu Hause bleibt, so dass wir da die Rollen teilen. Ich habe nie Druck gespürt seitens Unispital, was sehr toll ist. Die Werte, die man sich hier auf die Fahne schreibt, werden auch wirklich gelebt.»

Die Work-Life-Balance muss stimmen

Die Entscheidung, Mutter zu werden und in leitender Funktion zu arbeiten, hat Britta Lünenborg sehr bewusst getroffen und im Vorfeld sehr viel über die Rollen nachgedacht. Allgemein ist es ihr wichtig, die eigene Situation regelmässig zu reflektieren: «Mein Partner und ich checken immer wieder ab, dass für uns alles so stimmt. Für ein Kind ist es ebenfalls wichtig, dass es keine Eltern hat, die ständig gestresst sind. Mir hilft es, dass ich meinen Job sehr gerne mache und mich dem Unispital auch sehr verbunden fühle. Ich mag das Wechselspiel zwischen Familie und Job – ich sehe ein Kind auch als gesundheitsfördernd für mich, es verlagert den Fokus ein wenig von der Arbeit weg. Ich mache jetzt weniger Überstunden, gehe pünktlicher nach Hause und erstaunlicherweise funktioniert alles genauso gut wie vorher.»

Mütter als motivierte Mitarbeitende

Britta Lünenborg nahm sich nach der Geburt ihrer Tochter eine Auszeit von neun Monaten, um sich in ihre neue Rolle einzufinden. Diese Zeit war für sie sehr wichtig und sie schätzt es sehr, dass das Unispital unbezahlte Elternzeit wann immer möglich unterstützt. Eine gute Vereinbarkeit von Familie und Beruf wirkt sich positiv auf Mitarbeitende aus – das spürt Britta Lünenborg nicht nur bei sich selbst, sondern auch in ihrem Team: «Viele meiner Mitarbeitenden sind Mütter mit einem Pensum von 40 oder 50 Prozent. Ich erlebe sie als sehr zufriedene, motivierte und interessierten Mitarbeitende – sie sind genau so fit und produktiv wie andere und sogar oft diejenigen, die zusätzlich noch einspringen. Mütter sind echte Leistungsträgerinnen.»

Pflegeberuf + Kinder = schwierig?

«Familie und Beruf zu vereinen, ist in der Pflege nicht immer einfach, vor allem wegen des Schichtbetriebs ohne fixe Arbeitstage. Da könnten wir noch besser werden und in Zukunft zum Beispiel Jobsharing anbieten, so dass sich zwei Pflegende eine Stelle teilen. So könnten Frauen auch mehr arbeiten und hätten dadurch eine bessere Absicherung im Alter. Ich versuche wann immer möglich, die Wünsche meiner Mitarbeitenden im Dienstplan zu berücksichtigen.» Gleichzeitig betont Britta Lünenborg aber auch, dass das Unispital ein sehr innovativer Arbeitgeber ist, der immer bessere Bedingungen schafft: «Heute ist es sogar mit nur 40 Stellenprozent möglich, in der Pflege als Berufsbildnerin zu arbeiten – früher wurden dafür mindestens 60% verlangt», erklärt sie. «Wichtig ist, dass hier alle Mitarbeitenden völlig unabhängig von ihrem Arbeitspensum spannende Möglichkeiten für ihre Zukunft erhalten – das leben sowohl ich wie auch meine Vorgesetzten jeden Tag vor.»

 

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