03. Mai 2021

«Gleich zu Beginn lernte ich den Umgang mit der Hellebarde.»

Alvaro Masina war zwei Jahre lang päpstlicher Gardist in Rom. Nach einem Umweg über die FH Pädagogik entschloss er sich mit 27 Jahren für eine Ausbildung in der Pflege.

 

Alvaro Masina, dipl. Pflegefachmann HF, arbeitet seit rund viereinhalb Jahren in der Bettenstation der Abteilung HNO / MGK (Hals-Nasen-Ohren/ Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie) am Universitätsspital Basel. Wo er einst mit einem Praktikum begann ist er jetzt, nachdem er seine Ausbildung erfolgreich absolviert hat, nun seit rund einem Jahr in einem 100%-Pensum tätig. Gerne schaut er heute zurück auf seine Zeit als Gardist des Papstes – und das nicht nur, weil er einige Parallelen zwischen den beiden Tätigkeiten sieht.

 

Alvaro Masina wusste schon als Jugendlicher genau, was er werden wollte: Sein Berufsziel war Lehrer, und dazu wollte er die FMS und anschliessend die FH Pädagogik besuchen. Doch es kam anders: Nach der Fachmatur absolvierte er erfolgreich seinen Militärdienst, den er als gruppenführender Wachtmeister abschloss — und plötzlich kam ihm die Idee, dass es in Rom ja die Gardisten des Papstes gab, bei denen er sein Wissen und Können sinnvoll einsetzen konnte. Masina war selbst katholisch aufgewachsen und auch gefirmt worden, womit er neben der militärischen Ausbildung bereits eine weitere Voraussetzung für die Papsttruppe erfüllte. Er bewarb sich, wurde aufgenommen und war so ein paar Monate nach seiner Rückkehr aus dem Militär bereits unterwegs in Richtung Vatikan.


Habemus papam!

«Man verpflichtet sich für zwei Jahre. Ich war von 2011 bis 2013 dabei, wir waren damals 110 Gardisten. Gleich nach der Ankunft durchläuft man eine Grundausbildung, in der man die Uniformen kennenlernt und den Umgang mit den speziellen Waffen, zum Beispiel der Hellebarde, lernt – die Sturmgewehre kannte ich ja schon vom Militär. Dann wird man relativ schnell auf die verschiedenen Posten aufgeteilt – ich bewachte den Papstpalast, aber auch die verschiedenen Eingänge des Vatikans. Man führt Personenkontrollen durch und ist an vielen Ehrenanlässen anwesend – ein grosser Teil der Arbeit ist Repräsentatives», beschreibt Alvaro Masina seine Arbeit.

«Es war eine sehr spannende Zeit. Ich habe viele tolle Leute getroffen und durfte das Zentrum der Katholischen Kirche kennenlernen. Eines meiner Highlights war die Konklave im Jahr 2013, als Papst Benedikt zurücktrat und Papst Franziskus neu ins Amt kam. Da beraten sich die Kardinale in der Sixtinischen Kapelle und verkünden dann mit den berühmten Worten «habemus papam» den neuen Papst – das war sehr eindrücklich», so Masina weiter. Das Leben im Vatikan bedeutet aber auch, zu verzichten: «Wir hatten zwar Freizeit, mussten aber immer zu einer bestimmten Zeit zurück sein. Ich lebte in einer Art Kaserne, in einem Dreierzimmer – Privatsphäre hatte ich eigentlich zwei Jahre keine.» Auch seine Familie sah er in dieser Zeit nicht oft: Zum ersten Mal nach Hause in die Schweiz reisen durfte er erst nach acht Monaten.

 

Vom Vatikan auf die Studienbank

Nach zwei Jahren kehrte Alvaro Masina aus Rom zurück – mit einem guten Gefühl und viel gewonnener Erfahrung. Sein weiterer Berufsweg schien ihm klar: Der Studienstart der Fachhochschule stand kurz bevor und Pädagogik war nach wie vor das Fach seiner Wahl. Aber leider war die Ausbildung nicht das, was sich Masina erwartet hatte: «Es war sehr interessant, aber es hat mich nie so ganz gepackt. Ich habe das Ganze über zwei Jahre durchgezogen, aber im Abschlussjahr konnte ich nicht mehr – ich spürte, dass ich nie auf diesem Beruf würde arbeite wollen.» Die Situation setzte ihm zu und er beschloss schweren Herzens, die Ausbildung abzubrechen.

Danach setzte sich Alvaro Masina stark mit sich selbst auseinander und holte sich auch gesundheitliche Unterstützung, als ihm plötzlich klar wurde: Das war genau das, was er wollte – anderen helfen und ihre Situation verbessern. «Da war ich mir plötzlich total sicher, dass ich in die Pflege wollte. Meine Eltern sind beide auch in der Krankenpflege tätig, was mich bis dahin aber nie gross interessiert hatte. Ich bewarb mich für die dreijährige Ausbildung zum diplomierten Pflegefachmann HF am Unispital – ein paar Tage später hatte ich schon das Vorstellungsgespräch und bekam dann sehr schnell die Zusage, dass ich zum nächstmöglichen Termin anfangen konnte.» Wie damals beim Entscheid für die Schweizer Garde verlor er  keine Zeit: Er begann kurzfristig ein Praktikum am USB und überbrückte so die Zeit bis zum Ausbildungsbeginn sinnvoll.

 

Endlich angekommen

«Die Ausbildung bedeutete für mich drei schöne Jahre. Ich musste nie kämpfen, ich hatte nie keine Lust. Mein Lehrerkollegium schätzte ich sehr – das waren sehr nette und berufserfahrene Leute. Auch die Strukturierung gefiel mir, denn ich wusste immer genau, was ich tun sollte und was auf mich zukam. Es gab immer wieder Trainingsphasen in der Schule, wo man mit Simulationspatientinnen und -patienten übt. Auch der praktische Teil am Unispital empfand ich als sehr hilfreich. So wurde ich wirklich auf den Beruf vorbereitet – es ging nie um abstrakte Theorien, mit denen ich nichts anfangen konnte», so Alvaro Masina. Dass er als Quereinsteigender etwas älter war als der Grossteil der Studierenden sah er eher als Vorteil: So brachte er schon gewisse Erfahrungen mit und wusste auch genau, dass er diesen Abschluss unbedingt wollte. «Ich merkte manchmal, dass ich in Situationen, wo andere vielleicht ängstlicher waren, viel ruhiger blieb. Dafür war mein Mehr an Lebenserfahrung verantwortlich.»

 

Gewisse Gemeinsamkeiten gibt’s

Auf Parallelen zwischen der Schweizer Garde und seiner jetzigen Tätigkeit angesprochen, zögert Alvaro Masina keinen Moment. «Der Umgang mit Menschen – vor allem, mit vielen Menschen gleichzeitig. Ich stehe bei meiner Arbeit manchmal unter Druck, befinde mich in einem engen Raum mit vielen verschiedenen Personen und werde beurteilt, was zeitweise stressig sein kann. Aber da profitiere ich von meiner Zeit in Rom wie auch beim Militär – ich mache einfach und hinterfrage nicht alles. Auch die Empathie, die man für die Menschen hat, sowie die Freude am Umgang mit ihnen – bei all dem profitiere ich von meiner Erfahrung.»

Alvaro Masina ist sich heute sicher, dass seine Entscheidung für die Pflege die richtige war. Besonders fasziniert ihn der Umgang mit «aufwändigen Leuten», wie er es nennt, oder mit Leuten, die schwer krank sind. Er betreut gerne Patientinnen und Patienten eins-zu-eins – und schätzt es, wenn er es schafft, zu Menschen einen Draht zu finden. «Wenn das Eis bricht denke ich immer, ja, genau, hier bin ich richtig. Es geschieht oft bei Personen, die andere vielleicht als unnahbar oder schwierig empfinden, bei denen man genauer hinsehen muss. Das mache ich sehr gerne.» Als nächsten Schritt plant Masina eine Weiterbildung in der Intensivpflege – «aber erst in ein paar Jahren. Zuerst möchte ich Sicherheit fassen und Berufserfahrung sammeln, dann schauen wir weiter.»

 

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