27. November 2018

Hirn, Hormone und Vertrauen: Translationale Perspektiven für eine psychobiologische Therapie

Prof. Dr. Markus Heinrichs Institut für Psychologie, Albert-Ludwigs-Universität, Freiburg i.Br.

 

Zwischenmenschliche Beziehungen spielen für den Menschen eine zentrale Rolle. Defizite in der Beziehungsfähigkeit gehen häufig mit tiefgreifenden Störungen einher, welche in der Regel schwierig behandelbar sind. Tierexperimentelle Studien konnten zeigen, dass Neuropeptidhormone neben den bekannten physiologischen Funktionen ausgeprägte Verhaltenseffekte im Gehirn bewirken. Das Neuropeptid Oxytocin ist bei Säugetieren über die etablierte Rolle für Geburt und Stillen hinaus entscheidend an der Steuerung sozialen Bindungsverhaltens (z.B. Mutter-Kind-Bindung, Paarbindung) beteiligt. Der Referent konnte in einer Reihe von Studien erstmals zeigen, dass auch beim Menschen bindungsund sozialrelevantes Verhalten wie Vertrauen, Blickkontakt und soziale Annäherung durch Oxytocin reguliert wird. Darüber hinaus bewirkt Oxytocin eine Kontrolle angst- und stressreaktiver biologischer Systeme, welches wiederum die Annäherungsfähigkeit verbessert. Der Vortrag bietet einen Überblick über den Stand unseres Wissens beim Menschen und beleuchtet die neurobiologischen Mechanismen menschlichen Sozialverhaltens. Darüber hinaus widmet sich der Vortrag auch den translationalen Perspektiven für eine klinische Relevanz des Oxytocinsystems bei der Diagnostik und Therapie psychischer Störungen mit sozialen Defiziten  («psychobiologische Therapie»).