30. Dezember 2020

«Ich habe zwei der besten Berufe der Welt – Experte Intensivpflege und Fotograf.»

Intensivpfleger Fabian Fiechter hat die erste Welle der Corona-Pandemie am Unispital fotografisch dokumentiert. Er bewegt etwas – mit seiner Arbeit auf der Intensivstation genauso wie mit seinen Bildern. Wie er seine zwei grossen Leidenschaften im Alltag lebt, berichtet Fabian Fiechter im Blog.

 

Im Juli zeigte die NZZ eine Fotostrecke mit Fotos von Fabian Fiechter, die er während des Lockdowns am Universitätsspital Basel aufgenommen hatte. Das Medienecho war gross – noch selten hatte man in deutschsprachigen Medien Covid-19-Patienten und -Patientinnen sowie Pflegepersonal aus diesem nahen Blickwinkel gesehen. «Ich habe sehr viel positives Feedback gekriegt», erzählt Fiechter. «Natürlich waren einige Leute auch schockiert von den Fotos. Ich bin aber der Meinung, wir brauchen diese Realität, diese Bilder von hier, um das Ausmass der Pandemie zu verstehen.» Fabian Fiechters Fotos transportieren Informationen und Gefühle, stellen dabei aber nie die Patienten bloss – sein professioneller Zugang und sein Respekt für die Menschen ist immer spürbar.

Seit über 20 Jahren in der Pflege

Fabian Fiechter stammt ursprünglich aus Lörrach und arbeitet seit über 15 Jahren in der Intensivpflege. Seit 2004 ist er am Universitätsspital Basel tätig, aktuell in einem Teilzeitpensum. «Während meiner Grundausbildung habe ich ein halbes Jahr Praktikum auf einer IPS (kurz für «Intensivpflegestation») gemacht und war begeistert. Ich blieb auf dieser Station, bis es mir irgendwann zu viel wurde ohne Fachweiterbildung – ich fühlte mich nicht mehr wohl ohne Spezialisierung.» Fiechter wechselte ans Universitätsspital Basel, zuerst für einige Jahre auf die «Normalstation», und nach zwei Jahren entschloss er sich fürs Nachdiplomstudium Experte Intensivstation NDS FH.

«Das war eine tolle Zeit», so Fiechter. «Mir gefiel, dass ich in einer Klasse war, dass ich da Kolleginnen und Kollegen hatte, die ebenfalls sehr interessiert waren, dass wir zusammen lernten und oft auch einfach Spass zusammen hatten.» Das Studium ist sehr praxisorientiert: Während der zwei Jahre wird sehr viel am Patientenbett gearbeitet. «Was man in den Kursen lernt, kann man sehr zeitnah an den Patientinnen und Patienten umsetzen. Die beiden Jahre waren sehr spannend und gleichzeitig sehr anspruchsvoll.»

Zwei Arbeitswelten miteinander vereinen

Aber wie geht das zusammen, engagierter Experte für Intensivpflege und erfolgreicher Fotograf? «Ich habe zwei der besten Berufe, die es auf der Welt gibt», lacht Fiechter. «Sie sind beide extrem spannend und extrem abwechslungsreich. Ich habe ja schon immer fotografiert, und als ich mich für ein Studium in diesem Bereich entschied, konnte ich hier in kleinem Pensum weiterarbeiten oder auch mal eine Zeit lang ganz pausieren. Das Universitätsspital hat mich immer unterstützt und seine Türen immer für mich offen stehen lassen.» Fabian Fiechter fotografiert für Magazine, Zeitungen sowie für private Auftraggeber. Die Anfragen für Reportagen kommen oft spontan: «Auch bei kurzfristigen Aufträgen versuche ich, mir das einzurichten – meine Kolleginnen und Kollegen unterstützen mich, indem wir auch mal die Schicht tauschen. Meistens klappt es.»

Menschenkenntnis und medizinisches Wissen

Fabian Fiechter fotografiert am liebsten journalistisch: «Ich mag die Aufträge, bei denen ich auch Autor bin und entscheide, wie ich die Geschichte erzähle.» Er sieht durchaus Parallelen bei seinen beiden Jobs – so dreht sich vieles um Menschenkenntnis: «Wie nähere ich mich jemandem? Wie baue ich Vertrauen auf?» Und auch Geduld und Beobachtungsgabe sind bei beiden Berufen wichtig. Fabian Fiechters Patientinnen und Patienten zeigen die verschiedensten Krankheitsbilder, was seinen Beruf sehr vielseitig, pflegerisch abwechslungsreich und medizinisch anspruchsvoll macht: «Als Intensivpfleger muss ich alles überblicken und steuern. Meine Aufgabe ist es, die kleinste Veränderung am Patienten wahrzunehmen und darauf richtig zu reagieren. Das erfordert ein sehr grosses medizinisches Wissen, das man sich im zweijährigen Nachdiplomstudium aneignet. Plötzlich versteht man, wie alles zusammenhängt.» Er betont aber auch, dass die Studierenden bereits ein sehr grosses Fachwissen mitbringen – schliesslich sind sie diplomierte Pflegepersonen. Während der Ausbildung werden sie von einem grossen Berufsbildendenteam sowie Mentorinnen und Mentoren begleitet – einer davon ist Fabian Fiechter.

Die nächste Herausforderung

Fabian Fiechter ist sich noch nicht sicher, in welcher Form er seine fotografische Dokumentation während der zweiten Pandemie-Welle fortsetzen wird: «Über was meiner Meinung nach zu wenig geredet wird, sind die Spätfolgen, unter denen die Covid-19-Patientinnen leiden. Wir hatten ja das Glück, dass bei uns auf der Intensivstation die meisten Patienten überlebt haben – wie geht es denen heute? Wie und wo ich da fotografisch anknüpfe, weiss ich jetzt noch nicht.» Was Fabian Fiechter aber mit Sicherheit weiss, ist, dass in den nächsten Wochen viel Arbeit auf der Intensivstation auf ihn zukommt – und dass er sich dabei auf ein tolles Team verlassen kann: «Wir arbeiten sehr gut zusammen, unterstützen uns, helfen uns bei Unsicherheiten. Es wird auch sehr interprofessionell und auf Augenhöhe gearbeitet, indem sich die verschiedenen Berufsgruppen ständig austauschen.»

Anstrengend und erfüllend

Auch emotionale Momente gehören zu Fabian Fiechters Alltag: «Wenn zum Beispiel ein Patient, der lange intubiert war, zum ersten Mal wieder spricht, berührt mich das sehr. Oder auch, wenn ich eine meiner ehemaligen Patientinnen im Spitalgarten antreffe, freut mich das unheimlich.» Trotz allem – Experte Intensivpflege, ein anstrengender Job? «Anstrengend auf jeden Fall, denn wir erleben hier sehr intensive Situationen, wie unsere Berufsbezeichnung ja schon sagt. Aber es ist ein spannendes Umfeld, pflegerisch und medizinisch hochinteressant, das Team ist super – ich arbeite gerne hier!» Interessierten Pflegefachpersonen empfiehlt Fabian Fiechter, einen Schnuppertag auf der IPS zu absolvieren. «Habt nicht zu viel Angst davor – Respekt muss man haben, aber ihr kriegt hier die Zeit, das Ganze auch von Grund auf zu lernen.»

Entdecken Sie die Fotos von Fabian Fiechter zur Corona-Pandemie hier. 

 
 

Ebenfalls auf der Suche nach einer Stelle in der Intensivpflege bei uns? Erfahren Sie alle wichtigen Informationen über die Intensivpflege bei uns unter einjobfuersleben.ch!