22. März 2012

Immunsystem von AIDS-Patienten erholt sich dank antiretroviralen Kombinationstherapie besser

Dank der antiretroviralen Kombinationstherapie (ART) ist die HIV-Infektion zu einer behandelbaren chronischen Krankheit geworden und die Sterblichkeitsrate von an AIDS erkrankten Patienten stark zurückgegangen. Die Kombinationstherapie unterdrückt die Vermehrung des HI-Virus‘ massiv und bewirkt eine Erholung des Immunsystems mit einem Anstieg der wichtigen CD4-Helferzellen, welche das HI-Virus zerstören.

 

Forscher des Instituts für klinische Epidemiologie und Biostatistik am Universitätsspital Basel haben unter der Leitung von Prof. Heiner C. Bucher untersucht, wie die Prognose von HIV-infizierten Patienten ist, welche das Therapieziel, also eine vollständige Suppression der HI-Viren, erreichen. Im Rahmen der europäischen Multizenter-Studie COHERE (Collaboration of Observational HIV Epidemiological Research Europe) wurden rund 75'000 Patienten mit einer vollständigen Virusunterdrückung von im Durchschnitt 1.7 Jahren untersucht.

Bei Patienten, welche nach Erreichen der Virussuppression in einer schlechten Immunlage mit weniger als 200 Helferzellen pro µL (Mikroliter) Blut waren, reduzierte sich dank der Therapie bei einem zusätzlichen Gewinn von 100 Helferzellen pro µL Blut das Risiko eines AIDS-Ausbruchs oder eines tödlichen Ausgangs der Krankheit um 65%.

Bei Patienten mit besserer Immunlage mit 200 bis 350 Helferzellen reduzierte sich mit einer Immunverbesserung von 100 Helferzellen die Wahrscheinlichkeit an AIDS zu erkranken oder zu versterben um ebenfalls um 25% und bei Patientinnen und Patienten mit 351 bis 500 Helferzellen pro µL Blut noch um 20%. Selbst Patienten mit über 500 Zellen pro µL Blut bei welchen die meisten Kliniker keine Therapie empfehlen hatten mit einem zusätzlichem Gewinn von 100 pro µL noch eine um 4% niedrigere Wahrscheinlichkeit für AIDS oder Tod, wenn das HI Virus durch die Therapie vollständig unterdrückt blieb.

Die Studie zeigt, dass viele an HIV infizierte Patienten mit dem Erreichen einer vollständigen Virussuppression mit einer zusätzlichen Erholung des Immunsystems und damit mit einer weiteren Verbesserung der Prognose rechnen dürfen, wenn sie die antiretrovirale Therapie regelmässig einnehmen.

Leider profitieren nicht alle Patienten trotz vollständiger Virusunterdrückung von einer zusätzlichen Erholung des Immunsystems und die Gründe hierfür sind unklar. Insbesondere Patienten, welche spät und bei schlechter Immunlage eine Therapie beginnen, sind bei fehlender Erholung der CD4-Zellen einem erhöhten Risiko ausgesetzt, an AIDS zu erkranken oder auf Grund der HIV-Infektion zu sterben. Die Studienergebnisse liefern weitere Argumente für einen möglichst frühzeitigen Beginn der antiretroviralen Therapie. Eine optimale Erholung des Immunsystems ist bei wenig fortgeschrittener Krankheit einfacher zu erzielen und mit einer höheren Chance eines AIDS-freien Überlebens verbunden.

Der ausführliche Beitrag in Plos Medecine (englisch)

 

Für weitere Auskünfte wenden Sie sich bitte an
Prof. Heiner C. Bucher , Basel Institut für klinische Epidemiologie und Biostatistik
Universitätsspital Basel, CH-4031 Basel
Tel. +41 61 265 3100 / hbucher@uhbs.ch
www.ceb-institute.org / www.universitaetsspital-basel.ch