11. Dezember 2018

Körperliche Folgen der Anorexie und deren Behandlung

Dr. med. Bettina Isenschmid, M.M.E. Kompetenzzentrum Adipositas, Essverhalten und Psyche, Spital Zofingen AG

 

Körperliche Folgen tragen entscheidend zur Prognose der Anorexie bei. Alle Patientinnen müssen daher neben dem psychosozialen Bereich auch somatisch abgeklärt und behandelt werden. Dazu gehören die spezifische Anamnese, der Ganzkörperstatus, regelmässige Gewichts- und Wachstumskontrollen, Mangelernährungsparameter im Labor sowie weiterführende Funktionstests, spezialärztliche Abklärungen und bildgebende Verfahren. Als Komplikationen sind akute Herzrhythmusstörungen gefürchtet, vor allem im Zusammenhang mit Elektrolytentgleisungen bei Erbrechen oder Missbrauch von Laxanzien oder Diuretika, häufig Refluxösophagitis, chronische Obstipation, Zahnschädigungen und Fertilitätsstörungen, weiter Hypoglykämien oder Phosphatmangel im Zusammenhang mit dem Refeeding-Syndrom. Je nach Allgemeinzustand müssen Turn- und Sportverbote ausgesprochen werden, Bettruhe ist jedoch auf ein Minimum zu beschränken. Bei Mangelzuständen von Vitaminen und Spurenelementen ist Supplementation erforderlich, bei längerdauernden Störungen der Gonadenachse muss zwecks Knochenschutz und Vermeidung von osteoporotischen Frakturen die Hormonersatztherapie evaluiert werden. Zwischen 0,5–1% der Betroffenen versterben pro Erkrankungsjahr, eine vollständige Remission ist leider nur bei rund einem
Drittel der Betroffenen zu erwarten.

Präsentation