12. Dezember 2017

Kreativität - ein salutogenetisches Prinzip

Prof. Dr. Rainer M. HolmHadulla, Universität Heidelberg, Zentrum für Psychosoziale Medizin

 

Gelebte Kreativität ist ein Lebenselixier. Sie kann heilsame Wirkungen entfalten und helfen, traumatische Erlebnisse zu bewältigen. Ausgehend von den Grundlagen alltäglicher Kreativität wird an Beispielen wie Madonna und Mick Jagger gezeigt, wie kreative Tätigkeiten Traumata und melancholische Verstimmungen transformieren. Anhand von Amy Winehouse und Jim Morrison wird deutlich, dass die kreativen Transformationsversuche auch scheitern können. Goethe ging nicht nur als Dichter, sondern auch als Natur- und Kulturwissenschaftler davon aus, dass Menschen immer konstruktiven und destruktiven Regungen ausgesetzt sind. In „Sympathy for the Devil“ beziehen sich die Rolling Stones auf diesen Grundkonflikt, der auch in Freuds Vorstellung eines grundsätzlichen Konflikts zwischen Liebe und Hass, Eros und Thanatos anklingt. Diese Spannung kann durch Psychotherapie kreativ bewältigt werden. Psychodynamisches Erinnern, Wiederholen und Durcharbeiten können mit verhaltensorientierter Anregung zu Achtsamkeit und Selbstwirksamkeit integriert werden. Sowohl auf verhaltenstherapeutischer als auch auf psychodynamischer Ebene ist jede Psychotherapie eine Herausforderung, die individuelle Kreativität als salutogenetisches Prinzip zu entdecken.

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