21. April 2015

Kriegsenkel – Die langen Schatten der Vergangenheit

Sabine Bode Freie Journalistin Kulturredaktionen des Hörfunks von WDR und NDR Köln (D)

 

Kein Land hat so umfangreich seine unheilvolle Vergangenheit aufgearbeitet wie Westdeutschland. Doch es war vor allem das Werk von Historikern. Es geschah akademisch, nicht emotional. In den Familien herrschte nach 1945 überwiegend Schweigen. Weder wurde über Traumata gesprochen noch über schuldhafte Verstrickungen in das NSRegime. Die Nachgeborenen hörten kaum mehr als düstere Andeutungen.

Einiges ist in Bewegung geraten, seit 2005 das öffentliche Interesse für die Angehörigen der Kriegskinderjahrgänge (1928-1945) erwachte. Seit einigen Jahren melden sich deren Kinder zu Wort – die “Kriegsenkel” heute in etwa zwischen 40 und 60 Jahre alt. Bei ihnen zeigt sich ein wachsendes Interesse an der faktischen und emotionalen Aufarbeitung der Kriegsfolgen in ihren Familien - ein Prozess der Wahrheitssuche und der Trauer. Denn viele können sich ihr verunsichertes Lebensgefühl aus ihrer eigenen Biografie heraus nicht erklären. Sie fragen sich: Kann es sein, dass eine Zeit, die vor so vielen Jahrzehnten zu Ende ging, noch heute Einfluss auf mich hat?

Sabine Bode: Kriegsenkel – Die langen Schatten der Vergangenheit