07. Oktober 2015

Neues Medikament gegen Multiple Sklerose erfolgreich getestet

Im Kampf gegen die schubförmige Multiple Sklerose macht ein neues Medikament Hoffnung. Eine grosse internationale Studie kommt zum Schluss, dass das Medikament Daclizumab high-yield process nicht nur wesentlich besser wirkt als das bereits zugelassene Medikament Interferon β-1A, sondern auch bedeutend einfacher einsetzbar ist. Die Ergebnisse der von Prof. Ludwig Kappos, Chefarzt Neurologie des Universitätsspitals Basel, geleiteten Studie wurden heute im renommierten New England Journal of Medicine publiziert.

 

Bei der Behandlung der schubförmigen Multiplen Sklerose (MS) zeigten sich deutliche Vorteile von Daclizumab high-yield process (DacHYP) gegenüber Interferon β-1A: Es traten weniger Schübe auf und die Zahl neuer oder sich vergrössernder MS-Herde verringerte sich. Zudem muss DacHYP nicht so häufig und kann erst noch subkutan statt intramuskulär verabreicht werden. Allerdings kam es unter dem neuen Medikament auch etwas häufiger zu Nebenwirkungen wie zu meist milden Infekten oder Hautveränderungen wie Rötungen oder Ekzemen.

 

Studienleiter Prof. Ludwig Kappos, Chefarzt der Neurologischen Klinik und Poliklinik des Universitätsspitals Basel (USB), ist erfreut: „Die Ergebnisse der Studie zeigen das Potential von DacHYP, die entzündliche Aktivität bei schubförmiger Multipler Sklerose besser zu kontrollieren als mit herkömmlichen Behandlungen.“ DacHYP ist eine neue Form eines humanisierten monoklonalen Antikörpers gegen Zelloberflächenrezeptoren für Interleukin 2 (IL2). In der doppelblind kontrollierten DECIDE-Studie wurden 1‘841 Patienten mit aktiver schubförmig verlaufender MS in 28 Ländern behandelt. Den Patienten wurde entweder einmal monatlich subkutan DacHYP oder einmal wöchentlich intramuskulär Interferon β-1A verabreicht.

 

Führende Rolle des USB

Die heute im renommierten New England Journal of Medicine publizierten Ergebnisse im Detail: Nach mindestens zwei Jahren Behandlung konnte DacHYP die Schubrate, also die Anzahl Schübe pro Jahr, signifikant um 45 Prozent verringern. Ebenfalls signifikant um 54 Prozent reduzierte sich die Zahl neuer oder sich vergrössernder MS-Herde, welche in der magnetischen Resonanztomografie festgestellt wurden. Über eine mindestens drei Monate anhaltende Verschlechterung des Behinderungsgrades klagten 16 Prozent der mit DacHYP und 20 Prozent der mit Interferon β-1A behandelten MS-Betroffenen. Fast doppelt so viele Patienten wiesen keine klinisch oder kernspintomografisch erfassten Zeichen einer Krankheitsaktivität auf.

 

Vorteile einer Behandlung mit DacHYP gegenüber Interferon β-1A konnten auch hinsichtlich der Verminderung des Hirnvolumens, anderer Skalen zur Erfassung der Beeinträchtigung und in der Selbstbeurteilung der Studienteilnehmer ermittelt werden. Weitere Analysen der Studie werden diese Woche am 31. Kongress des European Committee for Treatment and Research in Multiple Sclerosis (ECTRIMS) in Barcelona präsentiert.

 

Die Durchführung der DECIDE-Studie unterstreicht die international führende Rolle der Forschung des USB in der Entwicklung neuer Medikamente gegen MS. Multiple Sklerose ist eine chronische und entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die vor allem junge Erwachsene befällt und an der weltweit mehr als zwei Millionen Menschen erkrankt sind.

 

The New England Journal of Medicine

N Engl J Med 2015;373:1418-28.

DOI: 10.1056/NEJMoa1501481