21. Februar 2017

Somatische Belastungsstörung: eine "Revolution" erfasst die Psychosomatik

Prof. Dr. med. Roland von Känel Chefarzt Psychosomatische Medizin, Klinik Barmelweid

 

Bis zu 30% der Patienten in der medizinischen Grundversorgung und anderen somatischen Fachrichtungen äussern in einem klinisch relevanten Ausmass Ängste, Befürchtungen und Sorgen bezogen auf das Erleben somatischer Symptome. Exzessive und über mindestens sechs Monate anhaltende Befürchtungen über körperliche Symptome sind ein Kernkriterium der neu ins DSM-5 eingeführten Diagnose der Somatischen Belastungsstörung (Somatic Symptom Disorder). Die somatische Belastungsstörung hat die bisherigen Diagnosen der somatoformen Störungen (einschliesslich der somatoformen Schmerzstörung) und Hypochondrie abgelöst. Im ICD-11, das bald auf den Markt kommen wird, soll es die Diagnose somatoforme Störung ebenfalls nicht mehr geben. Eine der somatischen Belastungsstörung vergleichbare Diagnose soll in die ICD-11 Eingang finden (Bodily Distress Disorder). Damit ist ein "Erdrutsch" in der Nosologie psychosomatischer Erkrankungen eingeleitet worden, dem sich der somatische Grundversorger nicht entziehen kann und der zugleich eine Chance bietet, Patienten mit psychosomatischem Mehrbedarf rechtzeitig zu erkennen, um unbefriedigende Behandlungsverläufe und Chronifizierung von körperlichen Beschwerden abzuwenden.

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