06. Juni 2016

Tumorbehandlung im Lymphgewebe muss neu überdacht werden

In der Schweiz erkranken jedes Jahr rund 1‘300 Menschen an einem Lymphom, einem bösartigen Lymphgewebstumor. Beim am häufigsten vorkommenden dieser Tumoren im Lymphgewebe sind die Heilungschancen zwar gut, doch bei rund einem Viertel der Patientinnen und Patienten tritt die Krankheit erneut auf. Wissenschaftler des Instituts für Pathologie des Universitätsspitals Basel haben nun herausgefunden, dass der wiederkehrende Tumor längst nicht immer mit dem Primärtumor verwandt ist. Diese Erkenntnis festigt die These, dass in solchen Fällen eine weniger intensive Chemo-Immuntherapie als bei der Erstbehandlung ausreichend sein könnte.

 

Das diffuse grosszellige B-Zell-Lymphom ist die häufigste Krebserkrankung im Lymphknotengewebe und führt unbehandelt zum Tod. Mit einer Chemo-Immuntherapie kann zwar die Mehrheit der Patientinnen und Patienten geheilt werden, dennoch kommt es bei rund einem Viertel zu einem Wiederauftreten der Krankheit. Aufgrund der höheren Aggressivität solcher wiederkehrenden Tumore wird bisher eine noch intensivere Chemo-Immuntherapie als bei der Erstbehandlung veranlasst. Starke Nebenwirkungen werden entsprechend in Kauf genommen.

Dieses Vorgehen wird nun in Frage gestellt. Verantwortlich dafür ist eine Studie von Forschern des Instituts für Pathologie des Universitätsspitals Basel (USB), deren Ergebnisse in der neusten Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift «Leukemia» publiziert wurden. Das Forschungsteam unter der Leitung von Prof. Alexandar Tzankov hat herausgefunden, dass längst nicht alle wiederkehrenden Tumore auf genetischer Ebene mit dem Ersttumor verwandt sind.

Bei rund 15 Prozent der Patientinnen und Patienten, welche von einem Lymphomrückfall betroffen sind, wurde nachgewiesen, dass es sich um nicht mit der Ersterkrankung verwandte Tumore handelt. In diesen Fällen liegt also eine unabhängige, formal identische Neuerkrankung vor, die allerdings in der Tat einem zweiten Primärtumor entspricht. Diese Erkenntnis ist klinisch relevant, weil Primärtumore in der Regel deutlich weniger aggressiv sind als wiederkehrende verwandte Sekundärtumore (Metastasen).

Eigenes Genpanel entwickelt

Das Ergebnis der Studie legt den Schluss nahe, dass Patientinnen und Patienten mit einem zweiten Primärtumor künftig eine unnötig starke und intensive Chemo-Immuntherapie erspart bleiben könnte. Diese These für die Behandlung des diffusen grosszelligen B-Zell-Lymphoms muss nun in klinischen Studien bestätigt werden. Bewahrheitet sich die Vermutung, würden solche Patientinnen und Patienten künftig wesentlich weniger Nebenwirkungen ausgesetzt, womit auch das Sterberisiko kleiner und die Verweildauer im Spital kürzer würden.

Die Studie der USB-Forschungsgruppe hatte das Ziel, das genetische Profil von wiederkehrenden diffusen grosszelligen B-Zell-Lymphomen zu entschlüsseln. Für diesen Zweck wurden modernste genomische Analysen an 20 tumorbefallenen Lymphgewebeproben und 20 Kontrollfällen durchgeführt. Dafür definierten die Autoren die für die Fragestellung relevanten Gene. Dieses eigens entwickelte Genpanel wird nun in die Diagnostik am Institut für Pathologie des USB überführt.