27. April 2022

«Was nachhaltig ist, ist meistens auch gesund.»

Der neue Nachhaltigkeitsbericht ist da – Dr. Christian Abshagen, Leiter Fachstelle Nachhaltigkeit, berichtet, wo das USB steht und weshalb Gesundheit und Nachhaltigkeit oft Hand in Hand gehen.

 
 

Fazit: Es gibt viel zu tun! Obwohl sich das USB stark engagiert, steht die Schweiz im internationalen Vergleich noch etwas hinten an. Das soll sich aber ändern – dank klarer Ziele und innovativer Ideen von Dr. Christian Abshagen und seinen Kolleginnen und Kollegen. 

 

Ein Jahr im Amt

Seit März 21 gibt es ihn, den Leiter Fachstelle Nachhaltigkeit. Als Mitglied des Generalsekretariats ist er direkt Spitaldirektor Werner Kübler unterstellt – was für die Wichtigkeit, die das USB dieser neuen Position einräumt, spricht. Als «Arzt auf Abwegen» beschreibt sich Christian Abshagen selbst: Nach seinem Medizinstudium in Heidelberg war er drei Jahre lang klinisch tätig, wechselte dann ins Projektmanagement eines Wissenschaftsverlags, absolvierte anschliessend einen MBA und kam dann ans USB, wo er mehrere Jahre das Controlling leitete.

Ebenfalls im Rucksack: Ein Diplom in Tropenmedizin und Hygiene, was bereits in Richtung ökologische Nachhaltigkeit geht, sowie eine Weiterbildung im Bereich Umwelt, Management & Technik an der FHNW, wo Abshagen ein Tag die Woche als Studiengangsleiter und Dozent tätig ist. «Den Rollenwechsel im Spital habe ich vollzogen, als sich aufgrund der Reorganisation hier die Chance ergab, das Thema Nachhaltigkeit strategisch zu besetzen. Ich bin froh, hat man diesen richtigen und wichtigen Schritt getan.»

Viel Strategie – aber auch Aktionswochen

Aber – was macht den nun ein Nachhaltigkeitsexperte den ganzen Tag? Diese Frage ist nicht einfach zu beantworten, denn einen klassischen Berufsalltag bringt diese Rolle nicht mit sich: «Das ist aber auch der relativen Kürze der Stelle hier geschuldet,» erklärt Abshagen. «Aktuell ist es viel Aufbauarbeit: Es geht darum, zu entscheiden, welches die relevanten Felder sind, in denen wir aktiv werden wollen.» 

Mittels eines Strategieprozesses wird herauskristallisiert, welches die Umwelt-Abdrücke, aber auch die sozialen Themen des Spitals sind, welche mit Zielen und Massnahmenplänen hinterlegt werden sollen. Gleichzeitig wird investiert in Themen wie Kommunikation, Schulungen und Bewusstseinsbildung – zum Beispiel mit der Aktionswoche «Mitmachen für ein nachhaltiges USB», die im letzten November stattfand und bei der Mitarbeitende sensibilisiert wurden, wie sie zu einem nachhaltigeren Spital beitragen können. Eindrücklich: Im Foyer des Klinikum 2 wurde der ganze Abfall ausgestellt, den das USB täglich produziert.

Ganz vorne mit dabei bei Verpflegung & Foodwaste

Während der ganzen Strategiefindung setzt das USB aber auch kontinuierlich Massnahmen im eigenen Haus um: So wird z.B. seit letztem Oktober spitalweit auf das klimabelastende Anästhesiegas Desfluran verzichtet. Behandlungsteams von Kardiologie und Nephrologie haben mit Trennung und Recycling eines Teils ihrer Plastikabfälle begonnen. Auch hat die Radiologie den Energieverbrauch ihrer CT- und MRT-Geräte wissenschaftlich analysiert, um Optimierungspotenzial zu identifizieren. Eine der grösseren Erfolgsgeschichten am Unispital ist aber der Bereich Foodwaste – sprich dessen Vermeidung: Bereits 2018 wurde die Patientengastronomie auf das schonende MicroPast®-Verfahren umgestellt, welches die Lebensmittelverschwendung im Vergleich zur klassischen Essenszubereitung deutlich reduziert hat.

Seit Kurzem arbeitet die Spitalhotellerie mit dem Basler Verein foodangels zusammen und lässt überschüssige Lebensmittel zur Weiterverteilung abholen. Bei der Mitarbeitendenverpflegung wird vermehrt vegetarisch oder vegan gekocht. Und auch Schritte wie die Umstellung von PET-Flaschen auf Wasserspender in immer mehr Bereichen des Spitals sind wichtig, denn sie setzen sichtbare Zeichen.

Fachübergreifende Zusammenarbeit

Es ist Christian Abshagen ein Anliegen zu betonen, dass das Thema Nachhaltigkeit nicht erst mit ihm Einzug ins USB hielt: «Es gibt schon länger einen Umweltschutzbeauftragten, mein Kollege Urs Gruber, sowie Energieexpertinnen und -experten, die sich seit Jahren mit der Energieeffizienz am Spital auseinandersetzen. Ausserdem beschäftigt sich unser HR seit geraumer Zeit mit sozialer Nachhaltigkeit und hat da schon vieles bewirkt.» Ebenfalls engagiert ist die Umweltkommission am USB, der Vertreter und Vertreterinnen aus Klinik, Betrieb, Immobilien und Marketing angehören. Auch der alljährlich erscheinende Nachhaltigkeitsbericht am USB ist das Ergebnis von abteilungsübergreifender Teamarbeit.

Gesund = nachhaltig?

Dem Gesundheitswesen schreibt Christian Abshagen eine besondere Verantwortung für das Thema zu, auch im Alltag: «Ganz oft sind nachhaltige Lösungen oder Lösungen, die der Umwelt Gutes tun, auch die, die gut für die Gesundheit sind.» Er bringt hier den Begriff «Co-Benefits» ins Spiel – zum Beispiel beim Thema Ernährung: «Eine fleischarme Diät senkt das Herzinfarkt- und Krebsrisiko, eine Diät mit wenig hochindustrialisierten, prozessierten Speisen mit zu vielen Kalorien mindert das Diabetesrisiko –  und all das senkt gleichzeitig den CO2-Ausstoss, den Ressourcenverbrauch und die Umweltbelastung.» 

Weiteres Beispiel: Aktive Mobilität – Velo statt Auto. «Fahrradfahren hält uns gesund und schadet der Umwelt nicht – im Gegensatz zu passiver fossilbetriebener Mobilität, die unter anderem für Bewegungsmangel, Asthma und sonstige Atemwegserkrankungen sorgt».  Hier sieht Christan Abshagen einen möglichen Ansatz zur Sensibilisierung bezüglich mehr Nachhaltigkeit: «In der Regel vertrauen Patientinnen und Patienten ihren Ärztinnen und Ärzten. Da sehe ich eine Chance, dass im Arzt-Patienten-Gespräch durch das Aufzeigen der Co-Benefits der beiden Themen einiges bewegt werden könnte.»

Kritische Ökobilanz des Schweizer Gesundheitswesens 

Stellt man Christian Abshagen die provokative Frage, warum denn überhaupt Nachhaltigkeit aktuell so grosses Thema am Spital ist, wird spürbar, wie sehr ihm seine Aufgabe am Herzen liegt – und wieviel Handlungsbedarf besteht: «Obwohl das Gesundheitswesen für viel Gutes verantwortlich ist, produziert es auch sehr viel Treibhausgase und Abfälle und konsumiert enorme Mengen an Rohstoffen. Gerade während der Corona-Epidemie hat der Abfall nochmals massiv zugenommen durch die ganzen Masken, Tests, Schutzkleider usw. Das Schweizer Gesundheitswesen gehört zu den vier CO2-intensivsten Gesundheitswesen der Welt und ist für rund 7% der gesamten CO2-Emissionen der Schweiz verantwortlich – da müssen wir einfach etwas ändern und nachhaltiger unterwegs sein, als wir es jetzt sind.»

Zu diesem Zweck werden jetzt Ziele für den ökologischen Bereich definiert – analog dem Beispiel der Sozialen Nachhaltigkeit beim Thema Chancengleichheit: «Hier haben wir genau definiert, wie viele Frauen in Führungspositionen wir bis 2030 erreichen wollen.» Sprich: Das USB wird sich nun konkrete Ziele zur Reduktion von Abfall und CO2-Emissionen sowie zur Energiegewinnung durch eigene PV-Anlagen setzen. «Alles passend zur Spitalvision, die ja lautet "Wir verbessern uns und das Leben der Menschen jeden Tag"».

Der neue Nachhaltigkeitsbericht mit UN-Zielen

Christian Abshagen ist gut vernetzt und tauscht sich regelmässig mit den anderen Nachhaltigkeitsexpertinnen und -experten der Schweizer Unispitälern zum Thema aus. Auch hat er dafür gesorgt, dass das USB Mitglied von «Global Green and Healthy Hospitals» wird – als zweites Schweizer Spital und neben grossen Krankenhäusern wie dem University College London Hospital oder dem Karolinska Universitätsspital Stockholm.

Auch der neue Nachhaltigkeitsbericht orientiert sich internationaler: Als Rahmenwerk dienen ihm die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung. «Diese «sustainable development goals», sind von 193 Staaten inklusive der Schweiz unterzeichnet worden. Letzten Sommer hat der Bund in seiner «Strategie Nachhaltige Entwicklung 2030» die Schwerpunkte dazu veröffentlicht – da können wir uns als USB in vielem einreihen: Geschlechtergleichheit, soziale Gleichheit, Klimaschutz, Energie, verantwortungsvoller Konsum und ebensolche Produktion.» Durch diese Leitlinien werden Ziele konkreter – und auch vergleichbarer, da mehr und mehr andere Organisationen und Unternehmen sich ebenfalls daran orientieren.

Auf dem Weg zur zirkulären Wirtschaft

Christian Abshagen sieht sich nicht als Einzelkämpfer für die Nachhaltigkeit, sondern als Teil einer grösseren Transformation, welche die gesamte Gesellschaft durchlaufen muss, um Umwelt und Natur gerecht zu werden. «Das wird uns nur gelingen, wenn wir Wirtschaft viel zirkulärer denken und leben als jetzt und sorgsamer mit Energie umgehen. Es ist ein Dreiklang aus Effizienz, Konsistenz und Suffizienz.» Aber was heisst das denn jetzt konkret, für jede Einzelne und jeden Einzelnen von uns? «Da geht’s eben wieder um die Co-Benefits: Wenn ich weiss, dass ich mich gesünder ernähre und gleichzeitig dem Planeten etwas Gutes tue, wenn ich aktiv mobil bin und dadurch in einer grünen und blauen statt in einer grauen Stadt lebe, dann ist da für uns alle ganz viel Gewinn in dem Ganzen drin und eigentlich eine schöne Vision.» Abschliessend fügt er hinzu: «Spitäler wird’s in so einer Welt genauso brauchen und die werden in diese neue Welt gut reinpassen.»

Der neue Nachhaltigkeitsbericht ist soeben erschienen – hier

 

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