Wie Herbert seinen Rhythmus wiederfand

«Ich bin immer davon ausgegangen, dass es gut kommt.»

Juli 2015: Der 69-jährige Zehnkämpfer Herbert M. trainiert für die Teilnahme an der Senioren-WM «World Masters Athletics Championships». Während der Trainingsphase wird ihm immer wieder schwindlig. Das Herz rast, der Puls ist hoch – die Leistung nimmt ab. Der Kardiologe bestätigt: Es ist das Herz. Zur Behandlung wird Herbert M. ans Herzzentrum des Universitätsspitals Basel überwiesen. Dort sorgen die Experten dafür, dass der sportliche Senior wieder zu seinem gewohnten Rhythmus zurückfindet und wie geplant an der WM im australischen Perth teilnehmen kann.

Von der Jugendriege zu den World Masters

Herbert M. ist 71 Jahre alt und lebt zusammen mit seiner Frau in Münchenstein. Der ehemalige Zollbeamte ist zweifacher Vater und wird von drei Enkelkindern liebevoll Opa genannt. Seine Leidenschaft gilt, neben Kochen, Gartenarbeit oder Enkelkinder hüten, schon lange dem Sport. Bereits als junger Knabe war der gebürtige Ostschweizer in der Jugendriege aktiv. Mit dem Turnverein Ostschweiz beteiligte er sich an Turnfesten, wo er rasch Gefallen am Wettkampf fand.

Später spezialisierte er sich auf Leichtathletik und bestritt mit 22 Jahren seinen ersten Zehnkampf. Als 50-Jähriger nahm Herbert M. zum ersten Mal an den «World Masters Athletics Championships», der Leichtathletik-WM für Sportler ab 35 Jahren, teil. Seither reist er für Wettkämpfe regelmässig um die Welt.

 

Schwindelanfälle und Leistungseinbussen

Vor zwei Jahren fiel Herbert M. aus seinem Rhythmus: Während den Trainingseinheiten wurde ihm plötzlich und wiederholt schwindlig, seine Leistung nahm ab.

Die Beschwerden umschrieb er als Herzrasen, Flattern und Flimmern. Immer wieder musste er sein Training reduzieren.

Solche Leistungseinschränkungen war er nicht gewohnt. Sie belasteten den ambitionierten Sportler, sodass er manchmal sogar die Lust am Training verlor. Auch das Timing hätte nicht schlechter sein können, schliesslich bereitete sich Herbert M. gerade für die im Oktober stattfindenden «World Masters Athletics Championships» in Perth vor.

Im Juli 2015 suchte Herbert M. dann zum ersten Mal seinen Hausarzt auf, der ein Belastungs-EKG durchführte. Doch es konnte keine eindeutige Diagnose gestellt werden, und so setzte er sein Training fort. Als ihm dann aber beim Hürdentraining einmal schwarz vor Augen wurde, wuchs seine Sorge. «Ich wusste beim Laufen kaum mehr, wo ich war. Irgendetwas stimmte einfach nicht», meint Herbert M. rückblickend. Auch Herberts Frau war besorgt: Sie drohte damit, ihn nicht nach Australien zu begleiten, wenn er nicht erneut zum Arzt ginge. Und so konsultierte Herbert seinen Hausarzt ein zweites Mal. Dieser überwies ihn an einen Kardiologen, um den Beschwerden auf den Grund zu gehen. Und tatsächlich: Mittels Langzeit-EKG wurde festgestellt, dass Herbert M. an einer Form von Herzrhythmusstörung litt.

Nach einer weiteren Überweisung kam Herbert M. ans Universitätsspital Basel. Dort definierten die Experten des Herzzentrums mittels elektrophysiologischer Untersuchung die Art der vorliegenden Herzrhythmusstörung.

Wie eine zweite Leitung im Herz

Normalerweise besteht im Körper eine einzelne elektrische Verbindung zwischen Vorhof und Herzkammer. Aus dieser Verbindung und deren elektrischen Impulse entsteht der Herzrhythmus. Bei Herbert M. waren jedoch zwei Leitungsbahnen vorhanden, was zu seiner Rhythmusstörung führte.

Als mögliche Behandlung wurden Herbert M. zwei Möglichkeiten aufgezeigt: Eine langfristige Einnahme von Medikamenten oder ein einmaliger Eingriff. Für Herbert M. war die Entscheidung rasch klar: Er wollte seine bisherige Lebensqualität wiedererlangen, ohne dabei über Jahre Medikamente zu nehmen, und entschied sich für die sogenannte Katheterablation. Bei diesem Eingriff werden überzählige Leitungsbahnen gezielt verödet.

Minimalinvasiver Eingriff mit 95% Erfolgsquote

Ein solcher Eingriff gilt heute als Routineverfahren in der Behandlung von Herzrhythmusstörungen und verläuft meistens komplikationslos. 95 Prozent der Eingriffe sind erfolgreich und nachhaltig.

Die Operation wird minimalinvasiv getätigt, indem ein Katheter über die Leistenvene zum Herz vorgeschoben wird. Eingriff und Genesung waren für Herbert M. eine kurze Angelegenheit: Am Morgen nach der Operation durfte er bereits wieder nach Hause, und einige Monate später konnte er, fit wie gewohnt, an der WM in Perth teilnehmen.

Das Expertengespräch mit Prof. Michael Kühne

Es gibt verschiedene Formen von Herzrhythmusstörungen. Die von Herbert M. ist glücklicherweise ungefährlich, aber für den aktiven Leichtathletiker sehr unangenehm. Damit das Pulsrasen ihn nicht weiter beim Sport einschränken konnte, fiel die Behandlungswahl auf eine sogenannte Katheterablation. Bei diesem Eingriff wird die Stelle, welche die Herzrhythmusstörung verursacht, verödet – und die Beschwerden werden somit eliminiert.

«Das kommt schon wieder gut»

Ein Leben ohne Sport wäre für Herbert M. nicht denkbar – gerade deshalb wollte er die Beschwerden nicht mit Medikamenten mindern, sondern die Störung operativ beheben. Er hätte den Eingriff auch gewählt, wenn er nicht für die Weltmeisterschaft trainiert hätte, sondern beispielsweise «nur» zweimal in der Woche joggen würde. Denn, so sagt Herbert M. «Mit dem Herzen lässt sich nicht spielen». Mit seiner Entscheidung ist Herbert M. gut gefahren:

«Heute habe ich keine Einschränkungen mehr. Manchmal mag ich körperlich nicht mehr so – aber das liegt wohl eher am Alter oder an einem Trainingsmanko»

Die Senioren-WM in Perth 2016 verlief dann ganz nach seinem Geschmack: Die Bronzemedaille im Zehnkampf der Kategorie M70 und der erste Platz in den beiden Disziplinen Hürdenlauf und Speerwurf sprechen für sich. Herbert M. ist wieder in seinem gewohnten Rhythmus.

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