Fachinformationen

Spezifische klinische Syndrome in Bezug auf die arteriellen Territorien im karotidealen Kreislauf

Die Symptomatik bei Stenosen der ACI besteht in okulären oder fokalen zerebralen ischämischen Syndromen unterschiedlichster Ausprägung. Transiente ischämische Attacken (TIA), ein fokales neurologisches Defizit, dessen Symptome weniger als 24 Stunden andauern, treten häufig bei Atheromatose der Karotisbifurkation auf. 50-75% der Patienten mit atheromatöser Erkrankung der Karotis und Hirnschlag, erleiden auch TIA. Bei Patienten mit Hirnschlägen anderer Ätiologie sind es um 10 %. Hemisphärische transiente ischämische Attacken, dauern meist weniger als 15 Minuten und äussern sich nur motorisch, nur sensorisch oder kombiniert mit Symptomen der kontralateralen Extremitäten und Dysphasie. Neglect Symptome werden von Patienten selten berichtet, da sie schwierig wahrzunehmen sind. Patienten mit hochgradiger Karotisstenose können auch unwillkürliche, repetitive, kloniforme oder tremorartige, kurzdauernde Bewegungsstörungen einer oberen und unteren Extremität verspüren (sog. Limb shaking TIA). Durch rasche Lagewechsel oder Hyperextension des Kopfes werden sie ausgelöst und sistieren beim Hinsetzten oder -legen. Nach Endarterektomie verschwinden diese Symptome jeweils vollständig. Aufgrund der klinischen Manifestation allein kann die Pathogenese einer TIA nicht sicher einer kardiogenen oder arteriellen Ätiologie zugeordnet werden.
Eine Amaurosis fugax (AF) ist eine monookluäre, kurzdauernde (bis 15, maximal 30 Minuten) Sehstörung mit dem Eindruck von Verschwommensehen, eines Nebelsehens oder eines sich schliessenden oder senkenden Vorhanges. Das Auftreten von Blitzen, Szintillationen oder verändertem Farbsehen ist meist Ausdruck von Migräne. Kopfschmerzen gehören nicht zum Krankheitsbild der AF. AF ist meist die Folge von Thromboembolien in retinale Arterien, die ihren Ursprung im Verlaufe der karotidealen Strombahn oder im Herzen, haben. Nur gelegentlich sind fundoskopische Veränderungen zu sehen, z.B. "Hollenhorst-Plaques", Cholesterinkristalle, die oft bei Patienten mit generalisierter Arteriosklerose nachgewiesen werden können. Selten kann sich eine retinale Ischämie bei hochgradiger Karotisstenose als Sehstörung beim Betrachten einer weissen Lichtquelle oder bei Blick in helles Licht, z.B. Sonnenschein äussern.

Bei fokalen zerebralen Ischämiesyndromen mit persistierender neurologischer Symptomatik ist aufgrund der klinischen Befunde allein die Unterscheidung zwischen hämodynamisch, durch Minderperfusion bedingte, oder embolisch verursachten Läsionen nicht immer zu unterscheiden. Als Hinweis für zerebrale Minderperfusion gelten häufige vorhergehende TIA und unilaterale Infarkte, geringe, an den unteren Extremitäten betonte, motorische Symptome, eingeschränkte Blickfolgebewegungen, transkortikal motorische und sensorische Aphasie, sensorische Aphasie, Dyskalkulie, konstruktive Apraxie und Greifreflexe. Computertomographisch sind in diesen Situationen Infarkte entlang der Versorgungsgrenzen der grossen zerebralen Arterien sichtbar, bei embolischen Infarkten entsprechen die radiologischen Befunde eher piomedullären territorialen Infarkten. Die klinische Symptomatik ist entsprechend auf Ausfallssyndrome der ACM, A. cerebri anterior (ACA) oder deren Aeste zurückzuführen. Lakunäre Syndrome gehören nicht zum Krankheitsbild der ACI-Stenose. Bei Befall mehrerer benachbarter Arterien, können kombinierte Syndrome auftreten.