Blog des Universitätsspitals Basel
01. Februar 2018

Der Kampf gegen die zunehmende Resistenz

Antibiotikaresistente Infektionen stellen eine grosse Gefahr dar. Das Universitätsspital Basel verfolgt eine erfolgreiche Strategie, welche multiresistente Keime frühzeitig erkennt und eine Übertragung verhindert. Was ist für den richtigen Einsatz von Antibiotika zu beachten und welche Möglichkeit der Dekolonisation von resistenten Erregern bietet das Unispital an?

 

Das Thema der resistenten Keime ist in der Mitte der Gesellschaft angekommen und es macht Angst. 2015 schrieb der Spiegel mit Referenz auf eine britische Studie, dass die Zahl der weltweiten Todesopfer von derzeit 700’000 jährlich auf 10 Millionen im Jahr 2050 steigen wird. Bisher herrschte das Verständnis, dass resistente Keime ihren Ursprung primär im Spital haben. Dieses Bild wandelt sich nun. Neue Daten zeigen klar, dass sich viele Resistenzen ausserhalb von Spitälern entwickeln. Gründe sind der exzessive Einsatz von Antibiotika in der Fleischerzeugung und die unsachgemässe Nutzung von verschriebenen Antibiotika im ambulanten Bereich. Infektionen mit multiresistenten Keimen enden jedoch meist in einer Behandlung im Spital. Sie stellen dort eine Bedrohung für gleichzeitig hospitalisierte Patientinnen und Patienten dar, wenn die Keime nicht erkannt und deren Übertragung nicht verhindert werden.

Seit nunmehr 25 Jahren hat sich Prof. Andreas F. Widmer, Stv. Chefarzt Infektiologie & Spitalhygiene

 und Leiter Spitalhygiene, dem Kampf gegen multiresistente Keime verschrieben. Mit Erfolg: Das Universitätsspital Basel gehörte 2017 zu den Spitälern mit der europaweit geringsten nosokomialen Infektionsrate durch multiresistente Erreger. Ausschlaggebend hierfür sind ein konsequentes 

Screening auf der Notfallstation, eine rasche und zuverlässige Labordiagnostik, die Überwachung über den Einsatz von Antibiotika sowie die Hygiene- und Isolationsvorschriften des Spitals. Neben den medizinischen Disziplinen hat die geringe nosokomiale Infektionsrate auch für chirurgische Eingriffe eine sehr hohe Bedeutung. Je weniger multiresistente Keime vorhanden sind, desto besser können Infektionen nach chirurgischen Eingriffen behandelt werden. 

Beim Antibiotikaeinsatz sieht es schweizweit gut aus. Die Schweiz liegt beim Pro-Kopf-Verbrauch von Antibiotika unter allen anderen europäischen Ländern (European Surveillance of Antimicrobial Consumption Network, Swiss Antibiotic Resistance Report 2016). Ein Grund zur Freude? Nein, denn die Gefahr ist latent. Bis zu 80 % der Reisenden sind nach einem Aufenthalt in Südostasien Träger resistenter Keime. Der Anstieg 

an Resistenzen ist in Europa kaum mehr aufzuhalten (ECDC, TESSy). Als kleines Land im Herzen Europas kann sich die Schweiz nicht abschotten. Rasant verbreiten sich resistente Keime durch unsere Reisetätigkeit mit geschätzten 8 Milliarden Fluggästen dieses Jahr. Was ist zu tun?

Eine Studie im Journal of Antimicrobial Chemotherapy aus dem Jahr 2017 zeigt akuten Handlungsbedarf im ambulanten Verschreibungsverhalten in der Schweiz. Nur circa 50 % der Antibiotikaverschreibungen waren adäquat. Fehlerhafte Verschreibungen traten insbesondere bei Tonsillitis/Pharyngitis, akuter Rhinosinusitis, akuter Bronchitis und der akuten Otitis media auf. Die Ursachen für diese Verschreibungspraxis sind vielseitig: Einerseits verlangen Patienten Antibiotika, andererseits ist nicht selten eine saubere Diagnostik teurer als eine Therapie.

Ein Typ der Resistenz bei Darmbakterien – sogenannte Extended-Spectrum-Betalactamases (ESBL) – kommt im Pouletfleisch sehr häufig vor. Wenn das Messer, mit dem das Pouletfleisch geschnitten wird, im Nachgang auch für den Salat genutzt wird, werden die resistenten Keime über den Salat übertragen. Wohingegen sie beim Erhitzen absterben. Eine strikte Küchenhygiene kann bei ESBL eine Ansteckung verhindern. Leider steht derzeit keine Behandlung für ESBL-kolonisierte Patientinnen und Patienten zur Verfügung.

Patienten, die sich mit einem MRSA (Methicillin-resistenter Staphylococcus aureus) infiziert haben, können durch geeignete Massnahmen von diesem multiresistenten Erreger befreit werden. Am USB besteht die Möglichkeit, diesen Erreger durch eine gezielte Dekolonisierung zu eliminieren. Die Heilungschancen bei MRSA liegen bei 80 – 100 %: Die Möglichkeiten einer Dekolonisation sollten mit der Patientin oder dem Patienten diskutiert werden.

Vor geplanter grösserer Operation, insbesondere bei Herzoperationen, lohnt es sich, sich über diese Behandlungsmöglichkeiten zu orientieren. Aber auch bei Personen mit häufigem intensivem Kontakt – wie beispielsweise Fitnesstrainer oder Mitarbeitende von Kindertagesstätten – kann eine solche Dekolonisationstherapie sinnvoll sein.

 

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