Blog des Universitätsspitals Basel
01. Januar 2018

Der Roboterarm im Hybrid-OP

Das USB hat drei hochmoderne Angiographie-Anlagen installiert, zwei davon in sogenannten Hybrid-OPs. Die Vorteile liegen in der Sicherheit, in der Zeitersparnis bis zum Eingriff und im Zugang zu minimalinvasiven Eingriffen für mehr Patientinnen und Patienten.

 

Minimalinvasive Eingriffe bestimmen heute den OP-Alltag. Sie sind für die Patienten schonender und durch Steuerungsmethoden präziser. Minimalinvasive Eingriffe erfordern jedoch die Kontrolle durch bildgebende Verfahren wie Röntgen oder Computertomographie.

Das USB hat als schweizweit erstes Spital die hochmoderne Angiographie-Anlage Artis pheno (Siemens Healthineers) in der Radiologie und in OP-Sälen installiert. Die Anlage in der Radiologie ist seit Oktober 2017 in Betrieb und hat sich bestens bewährt. Die Anlagen im OP stehen direkt in den OP-Sälen und ermöglichen dort zusammen mit einem hochmodernen, auf Schienen über den OP-Tisch fahrbaren CT und einem mobilen Ultraschallgerät die bildgebende Unterstützung direkt vor, während und nach minimalinvasiven Eingriffen. Sofortige bildgebende Kontrollen erhöhen die Qualität des Behandlungsergebnisses und die Sicherheit für die Patientinnen und Patienten.

Die Bildgebung am Ort des Eingriffs führt zu Zeitersparnis vor dem Eingriff, da die Patienten nicht mehr transportiert werden müssen. Die folgenden klinischen Fälle zeigen drei Anwendungsbeispiele. Das Angiographie-Gerät Artis pheno bietet eine bessere Bildqualität bei deutlich gesenkter Strahlenbelastung und kürzeren Scanzeiten. Software zur Navigation erleichtert die Planung und Durchführung von Eingriffen, zum Beispiel in der Tumortherapie und bei Embolisationen. So findet das System bei der Behandlung von Lebertumoren die Spitze des gelegten Katheters selbstständig beziehungsweise zeigt an, wie der Radiologe zum optimalen Embolisationspunkt gelangt.

Einige Patientinnen und Patienten konnten bisher nicht von minimalinvasiven Eingriffen profitieren, da sie Kontrastmittel nicht tolerieren oder aufgrund ihres Körperumfangs oder der Positionierungsanforderungen nicht in die Geräte passten. Der C-förmige Roboterarm des Gerätes hat eine Spannbreite von 95 cm und kann sich frei bewegen. Niedrige Kontrastmitteldosen und die Möglichkeit der CO2-Bildgebung machen minimalinvasive Eingriffe für mehr Patientinnen und Patienten zugänglich.

Fünf verschiedene Fachdisziplinen nutzen die Geräte. Nach einer Initialschulung und spezifischen Schulungen zu den einzelnen Eingriffen begann der Betrieb der Hybrid-OPs im Februar 2018. Die ersten Monate sind planbaren Eingriffen vorbehalten, danach folgt der Vollbetrieb inklusive Notfällen.

 

1) Hirnaneurysma: Behandlung mittels minimalinvasiven Schlüssellochzugangs und Clippings

Die Ruptur eines Hirnaneurysmas verursacht eine sogenannte Subarachnoidalblutung. Das Ziel der Hirnaneurysma-Operation ist die Ausschaltung des Aneurysmas als Blutungsquelle. Heutzutage wird dies zunehmend über einen sogenannten Schlüssellochzugang, zum Beispiel mittels eines Hautschnitts im Bereich der Augenbraue, durchgeführt. Diese minimalinvasiven Techniken können jedoch nur dank bildgestützten Operationsverfahren (Neuronavigation) und unter permanenter Überwachung der Hirnfunktionen (Neuromonitoring) sicher und effizient durchgeführt werden.Hirnaneurysma-Operation ist die Ausschaltung des Aneurysmas als Blutungsquelle. Heutzutage wird dies zunehmend über einen sogenannten Schlüssellochzugang, zum Beispiel mittels eines Hautschnitts im Bereich der Augenbraue, durchgeführt (Abb. A). 

Der Einsatz intraoperativer Bildgebungsverfahren im Hybrid-OP erlaubt es dem Universitätsspital Basel, bei Bedarf offen-chirurgische Verfahren (z. B. Clipping) und endovaskuläre Techniken (z.B. temporäre Ballon-Okklusion der zuführenden Arterie während der mikrochirurgischen Darstellung des Aneurysmas unter dem Operationsmikroskop) zu kombinieren. Zudem erhalten wir die Möglichkeit, den Verschluss des Aneurysmas direkt im Operationssaal mittels intraoperativer digitaler Subtraktionsangiographie (DSA) und intraoperativer Computed Tomography (CT Scan) zu bestätigen. Der Hybrid -OP erweitert somit die technischen Möglichkeiten und verbessert die Sicherheit der Patientinnen und Patienten, insbesondere auch bei hochkomplexen Eingriffen am Gehirn.

Abb. A: Schlüssellochzugang mittels eines Hautschnitts im Bereich der Augenbraue (roter Pfeil), wie er bei der Aneurysma-Chirurgie zunehmend verwendet wird (Bild: Dr. med. Daniel Zumofen)
Abb. B: Intraoperative Neuronavigation während eines Aneurysma-Eingriffs (Bild: Dr. med. Jonathan Rychen)
 

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2) Tumorembolisation eines Leberzellkarzinoms

Bei einem 64-jährigen Patienten mit einem hepatozellulären Karzinom (HCC) im Segment 4 der Leber wird eine Dyna-CT-Darstellung während der Angiographie zur Planung der Tumorembolisation vorgenommen (Abb. A).

Sie zeigt das kräftig vaskularisierte HCC (dicke Pfeile). Mit Hilfe der Dyna-CT-Bilder wurde der arterielle Hauptfeeder zum Tumor segmentiert. Abb. B zeigt das 3-D-Overlay des Hauptfeeders auf das native 2-D Durchleuchtungsbild. Mit Hilfe dieser Navigations-Unterstützung kann der behandelnde Radiologe den Katheter für die Embolisation schneller, mit weniger Röntgenstrahlung und Kontrastmittel und somit auch sicherer an eine geeignete Embolisationsposition führen. (Anmerkung: Die dünnen Pfeile zeigen Aufhärtungsartefakte.)

Abb. A: Dyna-CT: kräftig vaskularisiertes HCC und Aufhärtungsartefakte durch Angiographiekatheter in der A. hepatica communis
Abb. A: Dyna-CT: kräftig vaskularisiertes HCC und Aufhärtungsartefakte durch Angiographiekatheter in der A. hepatica communis
 

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3) TAVI, der kathetergestützte Aortenklappenersatz

Abb. A: Erfolgreicher interventioneller Aortenklappenersatz über die A. subclavia mittels selbstexpandierbarer Prothese

Bei Patienten mit schwerer symptomatischer Aortenstenose und mittelgradig bis schwer erhöhtem Operationsrisiko ist der kathetergestützte Aortenklappenersatz (TAVI) die Therapie der Wahl. Während der Eingriff normalerweise über die Leistenarterie erfolgt (transfemorale TAVI), ist bei starken Veränderungen der Beckenachse ein alternativer Zugangsweg notwendig, wobei häufig die Schlüsselbeinarterie (TAVI über Arteria subclavia) oder die Herzspitze (transapikale TAVI) gewählt wird. Da diese Zugangswege chirurgisch erfolgen, ist ein Eingriff in einem Operationssaal mit Angiographie-Anlage obligat. Bei einer 81-jährigen Patientin mit schwerer symptomatischer Aortenstenose, erhöhtem perioperativem Risiko und schwierigem Zugangsweg über die Beckenarterien konnte im Hybrid-OP über die linke Schlüsselbeinarterie eine selbstexpandierbare Aortenklappenprothese in den Aortenanulus gebracht und erfolgreich abgesetzt werden. Die Zusammenarbeit zwischen Herzchirurgie, Anästhesie und Kardiologie, wie sie der moderne Hybrid-OP erlaubt, machte den komplexen Eingriff und die Behandlung der betagten Patientin erst möglich.

 

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