Blog des Universitätsspitals Basel
08. Oktober 2020

Männliche Infertilität – abklären und therapieren

Das Institut für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie (RME) des Universitätsspitals Basel geht den Faktoren für Kinderlosigkeit auf den Grund. Zu 50 Prozent liegt sie am Mann.

 

Die vorübergehende oder dauerhafte Kinderlosigkeit betrifft etwa 7 bis 15 % der Paare. Etwa die Hälfte der Betroffenen sucht Hilfe in einer reproduktionsmedizinischen Institution wie dem RME. Da Faktoren aufseiten des Mannes gleich häufig zur Infertilität des Paares beitragen, ist es unabdingbar, dass parallel zur Frau auch Untersuchungen beim Mann durchgeführt werden: Anamnese, körperliche Untersuchung, Hormonanalyse und Analyse einer Samenprobe im andrologischen Labor.

Das Spermiogramm

Eine Ejakulatanalyse ist eine punktuelle Bestandsaufnahme der Fertilität des Mannes, erlaubt jedoch keine umfassende Diagnosestellung. Nur zusammen mit der Anamnese und der andrologischen Untersuchung können Ursachen für eine allfällige Verminderung der männlichen Fertilität aufgedeckt werden, welche die Grundlage für eine zielgerichtete Behandlung sein können.

Häufigste Ursache der männlichen Infertilität: Varikozele

Mit einer Inzidenz von circa 55 % ist die Varikozele die häufigste Ursache für eine verminderte Fertilität des Mannes. Falls die durch die Varikozele verursachte Schädigung der Hoden noch nicht irreversibel ist, ist eine chirurgische Beseitigung der Varikozele sinnvoll. Diese wird in der Urologie durchgeführt. Da sich nach der Operation die Funktionsfähigkeit der Samenzellen erst allmählich verbessert, ist die Varikozelenoperation nur jungen Paaren mit Kinderwunsch vorbehalten.

Hormonelle Störungen

Immer wieder findet man endokrine Ursachen für die Infertilität des Mannes, die eine wirksame Grundlage für die medikamentöse Normalisierung bieten. Dem hypogonadotropen Hypogonadismus kann sehr effektiv mit einer mehrmonatigen Gonadotropintherapie entgegengewirkt werden. Auch eine verminderte Testosteronproduktion kann für eine gewisse Zeit mit Choriongonadotropin (HCG) behandelt werden. Bei Infertilität aufgrund eines niedrigen Testosteronspiegels ist allerdings eine Substitutionsbehandlung mit Testosteron oder mit einem Testosteronanalog unwirksam, da sie aufgrund der negativen Rückkoppelung im Hypothalamus und in der Hypophyse die hormonelle Signalwirkung für die Bildung von Samenzellen im Hoden unterbindet.

Die Bedeutung der assistierten Reproduktion bei irreversibler männlicher Infertilität

So manche Ursache der männlichen Infertilität ist irreversibel und kann weder medikamentös noch chirurgisch angegangen werden. Ein gutes Beispiel für eine solche Situation ist die Autoimmuninfertilität: Nach einer Hodenverletzung können Autoantikörper produziert werden, welche die Samenzellen sofort abtöten oder verklumpen lassen, sodass eine natürliche Befruchtung nicht mehr stattfinden kann. Diese Form der männlichen Infertilität ist die dritthäufigste Diagnose in der Andrologie. In einer solchen Situation bleibt dann nur noch die assistierte Reproduktionsmedizin als Therapieoption.

Idiopathische männliche Infertilität

Trotz aller Sorgfalt kann bei einem beträchtlichen Anteil von Männern trotz mehr oder weniger verminderter Spermienqualität keine adäquate Ursache für die Infertilität festgestellt werden. Die Ergebnisse der konventionellen Ejakulatanalyse korrelieren nur bedingt mit der Wahrscheinlichkeit einer Schwangerschaft.

Samenspende

Falls eine ursachenbezogene Behandlung der männlichen Infertilität nicht möglich ist, gibt es auch die Möglichkeit der Samenspende. Letztere kommt zur Anwendung, wenn beim Partner keine Samenzellen vorhanden sind. Die Voraussetzungen für die Samenspende und deren Einsatz sind gesetzlich klar geregelt. Dieses Verfahren wird ebenfalls im RME als Behandlungsoption angeboten.

 

Zuweisung zur Ejakulatanalyse nach WHO

Der Termin für eine Ejakulatanalyse nach WHO kann im Institut für Reproduktionsmedizin und gynäkologische Endokrinologie (RME), Vogesenstrasse 134, 4031 Basel, entweder unter Tel. +41 61 265 93 63, Mo–Fr, 7.00–16.30 Uhr oder über das Zuweiserformular auf unserer Website vereinbart werden. Bitte  ausgefülltes Begleitblatt zusammen mit dem Krankenkassenausweis zum vereinbarten Termin mitbringen. 

 

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