Blog des Universitätsspitals Basel
01. Mai 2019

Molekulare Diagnostik als Wegbereiter für eine gezielte Tumorbehandlung

Bei komplizierten Tumorerkrankungen spielt die Molekulare Diagnostik eine immer grössere Rolle. Das Universitätsspital Basel hat als erstes Schweizer Tumorzentrum ein regelmässig stattfindendes Molekulares Tumorboard eingerichtet, an welchem Patientinnen und Patienten interdisziplinär diskutiert werden.

 

«Wir haben damit 2016 begonnen, in Zusammenarbeit mit dem Kantonsspital Baselland», sagt PD Dr. Sacha Rothschild, Leiter des Zentrums für Lungentumore und Co-Leiter des Kompetenznetzwerks Molekulare Tumortherapie. «Mittlerweile gibt es solche Boards auch an anderen Kliniken in der Schweiz. Wir sind aber nach wie vor die Einzigen, die das in dieser strukturierten Form betreiben».

Freitagmorgens, 8 Uhr, alle zwei Wochen, treffen sich Ärztinnen und Ärzte zur Besprechung von Tumorpatientinnen und -patienten in der Bibliothek der Pathologie in der Schönbeinstrasse 40. Anwesend sind jeweils Pathologen, Molekularbiologen, Onkologen und Genetiker. Und natürlich die jeweils zuständigen Fachärztinnen und –ärzte anderer Disziplinen. «Dieser fächerübergreifende Austausch ist von zentraler Bedeutung und ermöglicht es uns, sämtliche vorliegenden Befunde integrativ zu erfassen und gemeinsam für unsere Patienten die bestmögliche Therapie zu finden», sagt PD Dr. Sacha Rothschild. Auch behandelnde niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sind sehr willkommen.

Die Molekulare Diagnostik hilft den meist etwa 20−25 Spezialistinnen und Spezialisten, zu verstehen, warum sich ein Tumor auf eine bestimmte Art entwickelt und welches die dafür passende Therapie ist. Neben Neudiagnosen werden auch Fälle besprochen, bei denen der Patient bereits mit den Standardtherapien behandelt wurde, jedoch ohne den gewünschten Erfolg. Ausserdem ist das Molekulare Tumorboard relevant bei Patienten, die bereits eine zielgerichtete Therapie erhalten, der Tumor jedoch eine Resistenz entwickelt hat. Eine weitere Biopsie und Analyse bietet dann die Möglichkeit, den Mechanismus der Resistenzbildung zu erklären und eine erneute, zielgenaue Behandlung zu finden. Das Molekulare Tumorboard prüft darüber hinaus, ob klinische Studien für die entsprechenden Mutationen existieren, bei denen eine Teilnahme für die Patientin oder den Patienten möglich ist.

PD Dr. Sacha Rothschild präsidiert die Arbeitsgruppe Molekulare Onkologie der Schweizerischen Arbeitsgemeinschaft für Klinische Krebsforschung (SAKK), welche schweizweit klinische Studien im Bereich der Molekularen Diagnostik und personalisierten Medizin koordiniert.

 

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