Weihnachtsspendenaktion 2022: 4by4care

5. Dezember 2022, Tanja Steiger

 

Anna Striebel, dipl. Pflegefachfrau FH, hat einen Traum: Gemeinsam mit ihrem Partner, einem dipl. Rettungssanitäter, will sie Kliniken in Entwicklungsländern mit bei uns nicht mehr benötigtem medizinischem Material versorgen. 2023 wird ihr Projekt 4by4care Realität: Dann geht die Reise im eigenen Expeditionsmobil los – zu den Spitälern, wo die beiden das lokale Personal auch fachkundig unterstützen und schulen möchten.

2022-12-05 , 11:24 Uhr

Frau Striebel, wo stehen Sie aktuell mit Ihrem Projekt 4by4care?

Einerseits sind wir mit dem Ausbau unseres Expeditionsmobils, einem alten Feuerwehrauto, beschäftigt, genauer gesagt mit dem Ausbau des Wohn- und Lagerraums. Andererseits kreieren wir momentan den Online-Auftritt für unser Vorhaben, sprich die Website und die Social-Media-Kanäle. Ausserdem beschäftigt uns die Suche nach Sponsoren ebenfalls stark.
 

 

Wann starten Sie Ihre Reise?

Richtig los geht’s im September 2023. Dann wollen wir das Fahrzeug fertig haben, über eine Basis von Leuten verfügen, die uns unterstützen, und losfahren. Meine Kollegin Valerie Brehm, die Teamleiterin der Stroke Unit am USB, unterstützt uns logistisch mit dem Sammeln von Materialien und sorgt dafür, dass diese an den Ort gelangen, wo wir gerade sind. Wir brechen dann unsere Zelte in der Schweiz ab und widmen uns ganz diesem Projekt. Das heisst aber nicht, dass wir nicht irgendwann wieder zurückkommen.

 

Woher kommt Ihre Motivation, sich für dieses Projekt zu engagieren?

Ich hatte schon als Jugendliche immer den Wunsch, mal in Afrika zu arbeiten, als Freiwillige oder bei einem Hilfsprojekt. Während meines Bachelor-Studiums der Pflegewissenschaft hatte ich die Möglichkeit, einen sechswöchigen Volontäreinsatz zu absolvieren und habe mich für Tansania entschieden. Mein Partner war gemeinsam mit mir unterwegs und wir haben dort beide in einem Regionalspital gearbeitet. Es war eindrücklich zu sehen, an was es dort alles fehlt: Dieselben Handschuhe werden den ganzen Tag getragen, während wir hier 10, 20 oder auch 30 Paare pro Tag verbrauchen. Oder Masken: Auf der dortigen Geburtsstation gibt’s keine kleinen Masken für Neugeborene, die beatmet werden – das geschieht mit solchen für Erwachsene, und das funktioniert oft nicht. Dabei wäre es so wenig, dass es braucht, dass diese Babys einen guten Start ins Leben haben. Nach unserer Rückkehr wurde uns bewusst, wieviel Material wir hier zur Verfügung haben – so entstand die Idee. Es geht uns auch darum, nicht mehr länger gebrauchten Dingen eine zweite Chance zu geben und so weniger Abfall zu produzieren.
 

Welchen Einfluss hat Ihr Beruf als Pflegefachfrau auf das Ganze?

Ich habe mich immer stark dafür interessiert, wie das Gesundheitswesen in anderen Ländern funktioniert und wie dort mein Beruf ausgeübt wird. Meine Arbeit in der Pflege liebe ich und sie ist mir sehr wichtig. Der Vergleich mit anderen Ländern hilft, das, was wir hier haben, mehr zu schätzen, andererseits aber auch zu merken, dass wir auch hier nicht alles perfekt machen. Es erweitert den Horizont, verschiedene Ansätze zu sehen – zum Beispiel beim Umgang mit Schmerzen: In der afrikanischen Kultur werden Schmerzen ganz anders gelebt als hier. Dort sagt man weniger oft, dass einem etwas weh tut – vielleicht empfinden es die Leute dort auch weniger stark. All das muss man respektieren – es gibt kein Richtig und kein Falsch.

 

Was von Ihrer Arbeit hier nehmen Sie mit auf Ihre Reise?
Wir wollen ja auch unser Wissen an die Leute weitergeben. Durch die hervorragende Ausbildung und meine Arbeit am USB habe ich mir einen prall gefüllten Rucksack geschaffen, von dem ich profitiere – auch wenn ich mein Wissen dort nicht 1:1 anwenden kann. Auch die vielen verschiedenen Kulturen, denen unsere Patientinnen und Patienten hier angehören, sind ein Vorteil – da lernt man ganz verschiedene Erwartungen und unterschiedlichen Umgang mit Angehörigen kennen. Ich habe am USB gelernt, individuell auf Personen einzugehen und ihren kulturellen Background zu respektieren.

 

Was wünschen Sie sich für die Zukunft für 4by4care?

Schön wäre natürlich, wenn uns das USB in Zukunft auch Materialien, die zum Wegwerfen bestimmt sind, weiterleiten könnte. Und ansonsten hoffe ich, dass wir alles zusammenbekommen, das wir brauchen, und im nächsten Herbst bereits erste Spitäler beliefern können.

Anna Striebel

Anna Striebel

Plakat Spendenaktion

Plakat Spendenaktion

Wir wünschen Anna Striebel und ihrem Projekt 4by4care alles Gute!