Angebot

Das Universitäre Zentrum für Zelltherapie (UZTI) am Universitätsspital Basel bündelt die Entwicklung, Einführung und klinische Anwendung moderner zell- und gewebebasierter Therapien. Entstanden aus dem Innovationsfokus Zelltherapien, bringt das UZTI wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Forschung gezielt und sicher in die Patientenversorgung.

 

Unser Ziel ist es, hochinnovative Therapien (ATMP – Advanced Therapy Medicinal Products) für Patientinnen und Patienten verfügbar zu machen – verantwortungsvoll, nachhaltig und in enger Zusammenarbeit mit Klinik, Forschung und Industrie.

Was macht das UZTI?

Das UZTI ist die zentrale Produktionsplattform des Universitätsspitals Basel für akademische Zell- und Gewebetherapien.

 

Unsere Aufgaben auf einen Blick

 

Patientenversorgung mit innovativen Zelltherapien

  • Akademische Entwicklung und Anwendung von ATMP
  • Versorgung unter anderem mit TIL-, VST- und Gewebetherapien
  • Sicherstellung des langfristigen Zugangs für Patientinnen und Patienten

 

Brücke zwischen Forschung und Klinik Akademische Entwicklung und Anwendung von ATMP

  • Einführung neuer Zell- und Gewebeprodukte aus der universitären Forschung in den klinischen Alltag
  • Begleitung von der ersten klinischen Anwendung bis zur breiten Etablierung

Unsere Zelltherapien – einfach erklärt

Zelltherapien nutzen körpereigene oder speziell hergestellte Zellen, um Krankheiten gezielt zu bekämpfen. Am UZTI kommen diese Therapien insbesondere bei Krebserkrankungen und schweren immunologischen Erkrankungen zum Einsatz.

TIL sind Immunzellen, die bereits im Tumorgewebe der Patientin oder des Patienten vorhanden sind. Diese Zellen werden entnommen, im Labor vermehrt und anschließend wieder zurückgegeben, um den Krebs gezielt zu bekämpfen. TIL-Therapien werden unter anderem beim schwarzen Hautkrebs (Melanom) sowie bei ausgewählten Patientinnen und Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkrebs (NSCLC) eingesetzt. Dabei wird das körpereigene Immunsystem gezielt gestärkt, um Tumorzellen wirksam zu bekämpfen – insbesondere bei fortgeschrittener Erkrankung. Darüber hinaus entwickelt und prüft das UZTI TIL-Therapien für weitere Tumorarten im Rahmen klinischer Studien, um neue Behandlungsoptionen zu erschließen. Die Projektleitung ist bei Prof. Heinz Läubli von der Onkologie.

VST-Therapien kommen zum Einsatz, wenn das Immunsystem bestimmte Virusinfektionen nicht mehr ausreichend kontrollieren kann – z. B. nach einer Stammzelltransplantation. Virus-spezifische T-Zelltherapien sind gezielt gegen bestimmte Viren ausgerichtet und unterstützen das Immunsystem dabei, schwere Infektionen wirksam zu kontrollieren. Dabei wirkt die Therapie sehr spezifisch und ist in der Regel schonend für den restlichen Körper. In schweren Fällen kann diese Behandlung lebensrettend sein, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit stark geschwächtem Immunsystem. Die Projektleitung liegt bei Prof. Nina Khanna von der Infektiologie.

Natürliche Killerzellen (NK-Zellen) sind ein wichtiger Bestandteil des angeborenen Immunsystems. Sie können Krebszellen erkennen und zerstören.NK-Zelltherapien kommen am Universitätsspital Basel unter anderem bei akuten Leukämien zum Einsatz, insbesondere bei Patientinnen und Patienten mit begrenzten Therapieoptionen. Diese innovativen Therapien werden häufig im Rahmen klinischer Studien angewendet. Am USB wurden zudem bereits Studien mit NK-Zelltherapien beim multiplen Myelom durchgeführt, wodurch wertvolle Erfahrungen in der Entwicklung und klinischen Anwendung dieser neuen Behandlungsansätze gesammelt werden konnten. Die Projektleitung ist bei Prof. Jakob Passweg der Hämatologie.

Bei CAR-T-Zelltherapien werden körpereigene T-Zellen gentechnisch so verändert, dass sie Krebszellen gezielt erkennen und angreifen können. CAR-T-Zelltherapien sind hochspezialisierte Behandlungsformen, die am Universitätsspital Basel bereits routinemäßig bei bestimmten B-Zell-Lymphomen und Leukämien eingesetzt werden. Am UZTI wird darüber hinaus intensiv daran gearbeitet, neue, akademisch entwickelte CAR-T-Zelltherapien einzuführen – insbesondere für Patientinnen und Patienten mit therapieresistenten Erkrankungen sowie perspektivisch auch für solide Tumoren. Die Anwendung dieser Therapien erfolgt nach strengen medizinischen Kriterien und unter enger Betreuung durch interdisziplinäre Expertenteams am Universitätsspital Basel. Verantwortlich für das CAR-T-Zellprogramm am USB ist Prof. Andreas Holbro.

Gemeinsam für innovative Medizin

Das UZTI arbeitet eng mit den Kliniken des Universitätsspitals Basel, der Universität Basel sowie nationalen und internationalen Partnern zusammen. So stellen wir sicher, dass medizinische Innovationen verantwortungsvoll, sicher und nachhaltig in die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten integriert werden. Dabei wird auch eng mit den wissenschaftlichen Laboratorien des Departements Biomedizin und anderen akademischen Instituten (zB ETHZ-D-BSSE, Biozentren etc), sowie Biotech und Pharmafirmen zusammengearbeitet.

Die TIL-Immuntherapie im Fokus: Bettina Kampf gegen schwarzen Hautkrebs

Bettina Gloor ist 37 Jahre alt, Mutter von drei Kindern und führt ein geordnetes Leben – bis eine Diagnose ihr Leben auf den Kopf stellt: schwarzer Hautkrebs. Ein malignes Melanom, eine besonders aggressive Form der Erkrankung.

13. Juni 2025

 

Anfangs wirkt alles harmlos. Ein dunkler Fleck auf der Schulter wird entfernt. Die Ärzte geben Entwarnung – der Krebs scheint vollständig beseitigt. Doch ein Jahr später beginnen Hüftschmerzen, die sich als Zeichen dafür entpuppen, dass sich Metastasen im ganzen Körper gebildet haben.

 

Nachdem eine konventionelle Immuntherapie keinen Erfolg zeigt, kommt Bettina in das sogenannte TIL-Therapieprogramm am Universitätsspital Basel. TIL steht für «tumorinfiltrierende Lymphozyten» – körpereigene Immunzellen, die aus einem Tumor isoliert, im Labor stark vermehrt und dann wieder in den Körper zurückgegeben werden.

 

Laut Prof. Heinz Läubli, Leiter der Klinischen Forschung Onkologie am USB, «sprechen 20 bis 40 Prozent der Patient*innen gut auf diese Therapie an – auch, wenn frühere Behandlungen nicht geholfen haben». Für viele sei es «die letzte Option», da Patient*innen ohne Therapie in der Regel nur noch wenige Monate zu leben hätten.

 

Am 2. Juli beginnt Bettina ihre Behandlung. Zunächst wird ihr ein Stück Tumorgewebe entfernt. Daraus werden die TIL-Zellen im Reinraumlabor extrahiert und mit einem Eiweiss stimuliert, sodass sie sich bis auf 100 Milliarden Zellen vermehren. Parallel durchläuft Bettina eine fünftägige Chemotherapie, um ihren Körper auf die Rückgabe der Zellen vorzubereiten.

 

Am 10. Juli werden die vermehrten Immunzellen intravenös verabreicht – zusammen mit einem weiteren Eiweiss zur Aktivierung der Abwehrkräfte. Bettina erinnert sich an diesen Moment: «Ich wollte unbedingt ein Foto machen – dieser Beutel könnte mir das Leben retten».

 

Doch ihr Körper reagiert mit schweren Nebenwirkungen: hohes Fieber, Atemnot und Kreislaufversagen führen zu einer Verlegung auf die Intensivstation. Prof. Andreas Holbro, leitender Arzt Hämatologie, erklärt, dass sowohl Chemotherapie als auch Zelltherapie «starke entzündliche Reaktionen auslösen können». Es könne zu Fieber, Kreislaufinstabilität oder Lungenproblemen kommen. «In einigen Fällen müssen Patient*innen intensivmedizinisch betreut werden», so Prof. Holbro. Trotz der Risiken könne diese Therapie jedoch lebensrettend sein – insbesondere, wenn alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft seien. 


Drei Monate später zeigt die Bildgebung den ersehnten Durchbruch: Fast alle Metastasen sind verschwunden. Nur ein kleiner Rest im Knie wird zusätzlich bestrahlt. «Als ich die Bilder sah, fragte ich: Ist das wirklich mein Körper?», erzählt Bettina.

 

Heute blickt sie mit neuer Hoffnung in die Zukunft. «Durch die Therapie erhielt ich noch einmal eine Chance, mein Leben weiterleben zu dürfen. Ich habe wortwörtlich ein zweites Leben geschenkt bekommen. Ich fühle mich in der Bestform meines Lebens – dank dieser Therapie».

Leben mit Krebs

Bericht Regio Aktuell