Trotz Schlagzeilen: Der Covid-Booster ist nach wie vor sicher und wirksam

Ein Team um Prof. Christian Müller hat im August 2022 am Kongress der European Society of Cardiology in Barcelona eine Studie präsentiert, die kürzlich in den Medien und Social Media die Runde machte und von vielen Seiten falsch interpretiert worden ist. Wir fassen hier die wichtigsten Tatsachen zusammen.

2022-11-17 , 18:04

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  • Nach einer Covid-19-Impfung kann sehr selten eine Herzmuskelentzündung auftreten. Bei 0.0035% der Geimpften ist deswegen eine Behandlung im Spital notwendig. Diese Nebenwirkung hat das Basler Forschungsteam um Prof. Christian Müller näher untersucht.
  • Gemessen wurde dabei ein Blutwert, der auf eine Schädigung von Herzmuskelzellen hindeutet. Das Forschungsteam fand bei 2,8% der rund 800 Studienteilnehmenden einen Anstieg des Blutwerts.
  • Die Studie sagt nichts darüber aus, wie oft Symptome oder Erkrankungen nach einer Covid-19-Impfung auftreten. Sie sagt auch nichts darüber aus, ob eine Covid-19-Impfung langfristige Auswirkungen auf die Herzgesundheit hat.
  • Die Studie zeigt, dass eine weitere Erforschung des Zusammenhangs zwischen Covid-19, der Impfung und der Herzgesundheit angebracht ist.
  • Das Risiko einer schweren Erkrankung ist nach einer Covid-19-Infektion um ein Vielfaches höher als nach einer Impfung. Auch eine Ansteckung mit Covid-19 kann eine Herzmuskelentzündung verursachen. 

 

Es handelt sich um vorläufige Studien-Ergebnisse, die in weiteren Studien bestätigt oder widerlegt werden müssen, bevor daraus Schlüsse für die Covid-19-Impfung gezogen werden. Unter anderem gilt es zu klären, wie hoch das langfristige Risiko für die Herzgesundheit nach einer Covid-19-Erkrankung oder nach einer Impfung ist. Untersucht werden sollte auch, welche Personengruppen nach einer Impfung besonders aufmerksam zu beobachten sind.

 

Das Forschungsteam der Universität Basel und des Universitätsspitals Basel um Prof. Christian Müller fand bei 2,8% der Studienteilnehmenden einen Anstieg des kardialen Troponins im Blut. Das angewendete Messverfahren ist äusserst empfindlich. Nach der Impfung wurden Troponin-Werte in einer Grössenordnung zwischen 9 und 35 ng/L gemessen. Der Normwert liegt bei 8,9 bei Frauen und 15,5 bei Männern. Zum Vergleich: Bei einem Herzinfarkt mit klinisch relevanter Beeinträchtigung der Herzleistung steigt das kardiale Troponin bis auf weit über 1000.

 

Erhöhte Messwerte von kardialem Troponin treten auch bei anderen Krankheiten auf und können selbst nach intensiver körperlicher Anstrengung vorkommen. Die Schonung des Herzmuskels ist ein wichtiger Grund, weshalb in den Tagen nach einer Covid-19-Impfung von Sport abgeraten wird.

 

Eine schwere Herzmuskelentzündung hingegen, die im Spital behandelt werden muss, tritt gemäss anderen Studien bei 0,0035% der Geimpften auf, vor allem bei jungen Männern. Würden alle Menschen in der Schweiz geimpft, müsste also mit rund 280 zusätzlichen Fällen einer solchen Herzmuskelentzündung gerechnet werden. Zum Vergleich: In der Schweiz werden jedes Jahr über 100'000 Menschen wegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen hospitalisiert.