«Respekt»: das Aktionsprogramm zum Schutz der persönlichen Integrität
Aggressionen und Grenzverletzungen haben in Schweizer Spitälern in den letzten Jahren zugenommen. Um diesen Entwicklungen aktiv zu begegnen, lanciert das Universitätsspital Basel das Aktionsprogramm «Respekt».
Im Interview: Dr. Jessica Anner, Leiterin Betriebliches Gesundheitsmanagement, und Dr. Florian Banderet, Kaderarzt Personalarztdienst.
Was will das Aktionsprogramm «Respekt»?
Dr. Florian Banderet (FB): Für mich ist «Respekt» ein klares Bekenntnis des USB: Wir tolerieren keine Gewalt, keine Diskriminierung und keinen respektlosen Umgang. Das Spital übernimmt Verantwortung und schützt seine Mitarbeitenden aktiv.
Dr. Jessica Anner (JA):
«Respekt» richtet sich an alle Personen im USB – an Mitarbeitende wie auch beispielsweise Patientinnen und Patienten sowie deren Angehörige. Ziele sind ein klarer, respektvoller Umgang miteinander sowie verlässliche Strukturen bei Grenzverletzungen.
Warum braucht es dieses Programm am USB?
JA:
Der Schutz der persönlichen Integrität ist seit Jahren Thema an Schweizer Spitälern. Seit der Corona-Pandemie haben Aggressionen – insbesondere durch Patientinnen und Patienten sowie Angehörige – spürbar zugenommen. Gleichzeitig wurden auch Fälle zwischen Mitarbeitenden sichtbar. Diese Entwicklungen haben gezeigt: Wir müssen handeln.
FB:
In meiner Funktion als Personalarzt sehe ich, wie stark solche Belastungen Mitarbeitende psychisch beanspruchen. Die Zunahme von Übergriffen ist kein Einzelfall am USB, sondern eine Entwicklung, die viele Spitäler in der Schweiz betrifft. Das Programm ist eine notwendige Antwort darauf.
Wie ist das Programm aufgebaut – was sind die wichtigsten Schwerpunkte?
JA:
Das Programm umfasst drei Schwerpunkte: Prävention und Sensibilisierung, Deeskalation durch Schulungen sowie eine systematische Erfassung von Vorfällen mit klaren Abläufen und definierten Anlaufstellen. Gestartet wird im Jahr 2026 mit einer internen Kommunikationskampagne, neuem Infomaterial für Patientinnen und Patienten und Schulungen für Mitarbeitende. Gleichzeitig werden auch Reglement und Leitlinien zum Schutz der persönlichen Integrität überarbeitet, die für eine höhere Transparenz, klare Prozesse und Verantwortlichkeiten sorgen.
FB:
Entscheidend ist, dass die Wege für Mitarbeitende verständlich und einfach sind. Wer selbst betroffen ist, soll wissen, an wen er oder sie sich wenden kann – und darauf vertrauen können, dass etwas passiert. Ansprechpersonen werden klar kommuniziert.
Dr. Jessica Anner
«Respekt soll im Alltag spürbar sein – im Team ebenso wie gegenüber Patientinnen, Patienten und Angehörigen.»
Wie schützt das Programm die Mitarbeitenden?
FB: Zentral ist: Mitarbeitende sollen keine Angst vor Nachteilen haben. Wir wollen Betroffene schützen und klar zeigen, dass Grenzverletzungen Konsequenzen haben. Das USB positioniert sich damit als verantwortungsvoller Arbeitgeber.
JA: Wir wollen eine offene Kultur fördern, in der man Probleme früh anspricht. Indem wir mit diesem Thema nach aussen gehen, zeigen wir einerseits, ja, es gibt Herausforderungen bei uns am Spital, gleichzeitig übernehmen wir Verantwortung, zeigen Haltung und handeln, indem wir Schulungen anbieten, Anlaufstellen etablieren und vieles mehr. Respekt soll im Alltag spürbar sein – im Team ebenso wie gegenüber Patientinnen, Patienten und Angehörigen.
Was erhoffen Sie sich persönlich vom Programm?
FB: Ich wünsche mir, dass Mitarbeitende wissen: Ich werde ernst genommen, ich bin geschützt und ich finde Unterstützung. Und dass das USB als sicherer, verlässlicher Arbeitgeber wahrgenommen wird. Ausserdem hoffe ich auf mehr Selbstreflexion im Arbeitsalltag und darauf, dass respektvoller Umgang noch selbstverständlicher wird – in allen Berufsgruppen.
Wie geht es weiter – wohin soll sich das Programm entwickeln?
JA:
Das Programm startet 2026 – danach wird es laufend weiterentwickelt, basierend auf Erfahrungen und Rückmeldungen aus dem Unternehmen. Es wird unsere Spitalkultur hoffentlich noch offener machen.
FB: Ich sehe das Programm als Chance. Es ist ein schwieriges Thema, aber auch eine Möglichkeit zur Weiterentwicklung – für das USB als Arbeitgeber und vor allem für den respektvollen Umgang insgesamt.
«Für mich ist «Respekt» ein klares Bekenntnis des USB: Wir tolerieren keine Gewalt, keine Diskriminierung und keinen respektlosen Umgang. Das Spital übernimmt Verantwortung und schützt seine Mitarbeitenden aktiv.»
Dr. Florian Banderet
Zunahme von Aggressionen und Grenzverletzungen
Der Schutz der persönlichen Integrität ist ein bedeutendes Thema in Schweizer Spitälern. Seit der Corona-Pandemie ist die Zahl der Aggressionen und Grenzverletzungen spürbar gestiegen.
Prävention, Sensibilisierung, Deeskalation und systematische Erfassung
Das Aktionsprogramm «Respekt» ist ein wichtiger Schritt, um Übergriffe im Gesundheitswesen wirksam anzugehen. Durch ein umfassendes Konzept aus Prävention, Sensibilisierung, Deeskalation und systematischer Erfassung will das USB einen sicheren Arbeits- und Behandlungsort für alle schaffen.