Personalisierte Krebstherapie
Therapietests an Tumorzellen vor der Behandlung
Bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen ist die Wahl der passenden Therapie besonders entscheidend. Allerdings wirkt nicht jede Behandlung bei allen Patientinnen und Patienten gleichermassen gut. Tumore unterscheiden sich nicht nur von Person zu Person, sondern verändern sich auch im Verlauf der Erkrankung. Gleichzeitig stehen bereits wirksame Medikamente zur Verfügung, die jedoch oft nicht gezielt genug eingesetzt werden können.
Ziel des Innovationsfokus ist es, eine klinisch validierte Plattform für die personalisierte Krebsbehandlung zu etablieren und so die Krebsmedizin stärker auf die individuelle Situation jedes einzelnen Menschen auszurichten. Durch moderne Labormethoden, digitale Technologien und künstliche Intelligenz sollen Therapien künftig gezielter ausgewählt werden können, mit besseren Erfolgsaussichten und weniger Belastungen für die Betroffenen. Die Initiative baut dabei auf den Fortschritten der personalisierten Onkologie auf und verbindet Forschung und klinische Anwendung auf innovative Weise.
Von der Tumorprobe zur Therapieempfehlung
Der Ansatz richtet sich insbesondere an Menschen mit fortgeschrittenen oder wiederkehrenden Krebserkrankungen, bei denen Standardtherapien nicht ausreichend wirken. Aktuell liegt der Schwerpunkt auf metastasiertem Brustkrebs, künftig soll das Verfahren auch für weitere Tumorarten verfügbar werden.
Aus frischem Tumorgewebe werden im Labor patientenspezifische Tumormodelle hergestellt. An diesen Modellen können verschiedene Medikamente und Wirkstoffkombinationen getestet werden, bevor eine Behandlung erfolgt. So lässt sich besser abschätzen, welche Therapie für die einzelne Patientin oder den einzelnen Patienten potenziell wirksam ist. Die Ergebnisse unterstützen die behandelnden Ärztinnen und Ärzte bei der Therapieentscheidung.
Das Tumorumfeld mitberücksichtigen
Der Behandlungserfolg hängt nicht nur von den Tumorzellen selbst ab, sondern auch von ihrem Umfeld, der sogenannten Tumormikroumgebung. Dieses beeinflusst das Wachstum, die Ausbreitung sowie den Therapieeffekt wesentlich.
Der Innovationsfokus untersucht deshalb sowohl die Tumorzellen als auch deren Wechselwirkung mit umliegenden Geweben und Immunzellen. Dadurch entsteht ein umfassenderes Bild der Erkrankung und eine realitätsnähere Grundlage für die Auswahl möglicher Therapien.
Künstliche Intelligenz als Unterstützung
Bei den Analysen entstehen grosse Mengen an Daten. Künstliche Intelligenz hilft dabei, diese Informationen zusammenzuführen und auszuwerten. Sie unterstützt die Identifikation möglicher Therapieoptionen, ersetzt jedoch keine medizinischen Entscheidungen. Insbesondere bei der Auswertung von Bilddaten aus den Tumormodellen ermöglicht künstliche Intelligenz eine rasche Analyse der Daten und damit deutlich schnellere Ergebnisse als mit konventionellen Methoden.
Ein wichtiges Ziel ist zudem, die Dauer der Testphase bis zur Therapieempfehlung von drei auf zwei Wochen deutlich zu verkürzen.
Nutzen für Patientinnen und Patienten
Der Innovationsfokus soll dazu beitragen, wirksame Therapien schneller zu identifizieren und wenig erfolgversprechende Behandlungen zu vermeiden. Entwickelt ein Tumor im Verlauf der Behandlung eine Resistenz gegen ein Medikament, kann auf Basis der bereits vorliegenden Testergebnisse rasch eine alternative, vielversprechende Therapieoption identifiziert werden. Dadurch können Belastungen reduziert, Therapieentscheidungen verbessert und die Lebensqualität der Betroffenen gestärkt werden.
Gleichzeitig schafft der Innovationsfokus eine Plattform, auf der klinische Versorgung, Forschung und digitale Innovation zusammenwirken. So können neue Erkenntnisse direkt in die Behandlung einfliessen und die personalisierte Onkologie kontinuierlich weiterentwickelt werden.
Langfristig kann dieser Ansatz auch dazu beitragen, unnötige Behandlungskosten zu vermeiden, mit dem Ziel, dass entsprechende Tests künftig von den Krankenversicherungen übernommen werden.
Datenschutz und verantwortungsvoller Einsatz von KI
Der Schutz der Privatsphäre hat höchste Priorität. Gesundheitsdaten werden nach geltenden Datenschutzvorgaben verarbeitet und ausschliesslich für definierte klinische und wissenschaftliche Zwecke genutzt. Proben und Daten werden bei Eingang ins Labor anonymisiert. Der Austausch von Daten mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten erfolgt ausschliesslich innerhalb der gesicherten IT-Infrastruktur des USB. Künstliche Intelligenz dient als unterstützendes Werkzeug bei der Analyse komplexer Daten und der Identifikation möglicher Therapieoptionen. Die Verantwortung für medizinische Entscheidungen liegt jederzeit bei den behandelnden Fachpersonen.
Das Team des Innovations-Focus Personalisierte Krebstherapie
Dr. Mohamed Bentires-Alj
Forschungsgruppenleiter
DBM Tumor Heterogeneity Metastasis and Resistance